Zeruya Shalev – Späte Familie

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Die israelische Autorin Zeruya Shalev erzählt in Ihrem Roman “Späte Familie” von Ella, die in ihren Jungen Gilli vernarrt ist, sich aber von Amnon, dem Vater des Kindes trennt. Zunächst zeichnet die Autoren Ellas Seelenleben sorgfältig nach. Dabei wird Ellas Instabilität und Zerissenheit deutlich vor Augen geführt. Ihr eignet ein ambivalenter Wechsel zwischen “himmelhoch jauchzend” und “zu Tode betrübt”. Als sie eines Tages Gilli von seinem Freund Jotam abholen möchte, lernt sie dessen Vater Odette kennen. Dieser hat soeben seine Wohnung endgültig verlassen. Ella lässt sich auf Odette ein und wagt mit ihm das Experiment der “Späten Familie”. Ella und Odette scheinen nach vielen “Stunden der Liebe” an ihren nicht gesprochenen Worten und an ihren ausgesprochenen Kränkungen zu scheitern. Versöhnt sie die noch schlimmere Wirklichkeit, dass Keren, eine andere Mutter aus Gillis und Jotams Klasse, aufgrund einer Krankheit zu Grabe getragen wird, oder kann die versöhnende Sehnsucht der Kinder nach befreitem Spielen ausbügeln, was die Erwachsenen nicht zu überwinden imstande sind?

Eine bewegende Geschichte für alle, die Freude an scharfsinnigen Situationsbeschreibungen haben und wissen möchten, wie es sich anfühlt, wenn man als Mutter (oder Vater?) aus einer Familie aussteigt und – noch auf sich allein gestellt – mit einer neuen Familie konfrontiert wird. Ich komme aus einem Hintergrund, in dem funktionierende Familien als Norm vorausgesetzt wurden. Dass die “Norm” aus nachvollziehbaren Gründen von vielen Menschen unserer Zeit nicht eingehalten wird, ist offenbar. Wer “Späte Familie” gehört/gelesen hat, versteht besser, warum, und gewinnt eine starke Dankbarkeit, wenn die eigene Familie fest gegründet ist.

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