Ich lauschte den Klängen der Kurrendegruppe meines großen Sohnes und erklärte dem kleinen die Buchstaben im ABC-Buch. Im gleichen Zimmer wartete die Mama eines weiteren Kurrendekindes mit ihrem Baby. Da wir uns schon in den Wochen zuvor gesehen hatten, führten wir unser Gespräch über die Kinder und die Gemeinden, denen wir und unsere Kinder jeweils zugehören, weiter. Was mache ich, wenn die Gemeinde mir nicht zusagt, in deren Nähe ich lebe? Das ist eine Frage, die uns beide umtreibt oder schon umgetrieben hat. Nach nicht allzu langer Zeit einigten wir uns, dass es eine optimale Gemeinde wohl nicht gibt. Wenn ich es richtig bedenke, kann es die auch nicht geben. Jede Gemeinde besteht aus Menschen, die sich für sich persönlich Verbesserungen wünschen. Diese Wünsche können unmöglich dasselbe Ziel verfolgen, da jeder seine eigene Perspektive hat. Insofern wäre es wahrscheinlich richtiger zu fragen: Was mache ich, wenn das, wie ich meine Gemeinde erlebe, aus meiner Perspektive für mich nicht reicht?
Ich denke, die Antwort liegt in meiner Kompetenz: Wo kann ich etwas tun, damit ich meinen Glauben so leben kann, dass es besser zu mir passt? Eine ganze Gemeinde umkrempeln kann kein einzelner Mensch. Aber es gibt andere Formen von Gemeinschaft, die in einer Gemeinde integriert sind. Da bei kleineren Formen weniger Leute beteiligt sind, kann man hier zielgerichteter suchen und handeln:
- Erfreut mich mein Verhältnis zu Gott und zu mir selbst? Im Einklang mit Gott und sich selbst zu sein, ist ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis!
- Finde ich vielleicht jemanden, mit der/mit dem ich beten kann? Wo zwei oder drei beten, will Jesus da sein, hat Matthäus geschrieben (Mt 18,20).
- Ein wichtiger Ort religiöser Gemeinschaft und ein wichtiges Standbein aller Gemeinden sind die Familien: Hat meine Familie Rituale religiöser Vergewisserung? Begegnen wir als Familie Gott?
- Hauskreise haben oft ein klares religiöses und theologisches Profil: Hier habe ich meist schnell mitbekommen, was mir liegt und was nicht. Ein Hauskreis kann auch ein geeigneter Ort sein, um Gemeinschaft jenseits von »stimmiger Chemie« zu erleben; sich trotz gegenseitiger Ansichten zu hören und zu achten, ist eine schöne Erfahrung.
- Gibt es (gemeindeübergreifende) soziale Projekte oder Arbeitskreise, in denen ich meinem Glauben tatkräftig Ausdruck verleihen kann?
Mit diesen fünf unterschiedlich weit reichenden Ebenen finde ich mehrere Standbeine, auf denen mein Glaube ruht. Dazu kommt natürlich als sechste und siebte Ebene der (lutherische oder eben anders geprägte) Gemeindegottesdienst und meine Zugehörigkeit zur Weltkirche. Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf zwei oder drei Bereiche religiösen Lebens lenke, lässt sich da einiges erleben und auch verbessern, denke ich. Was meint ihr?
