Heute (Karfreitag) zu Jesu Sterbestunde war ich mit meinen Kindern in einer katholischen Kirche. Es beeindruckt mich, wie geschlossen und sicher die katholische Gemeinde die Liturgie feiert. Jede liturgische Antwort sitzt. Der Pfarrer war zwar ein sicherer Sänger, reihte sich aber eher in die Reihe zahlreicher evangelischen Kollegen ein, deren liturgischer Gesang nicht völlig zu überzeugen vermag. Anders die Liturgen heute: Ein Psalmengesang und die gesamte Johannespassion wurden im Rezitationsstil vorgetragen – feierlich, gottesdienstlich, zauberhaft religiös. Wann werden wir so etwas in einer evangelischen Kirche erleben? Ehrlich, ein professionell vorgetragenes Abendmahlsgebet – ein bisschen so, wie es mir mein Gesangslehrer mal vorgesungen hat – würde mir ja schon reichen.
Außerdem nehme ich eine berührende Fürbittenform als Anregung mit: Die Mädchen und Jungen, deren Erstkommunion bevorsteht, traten mit ihren Eltern nach vorne (es waren zehn bis zwölf Paar Menschen) und beteten mit der Gemeinde: Die Kinder sagten, wofür man jetzt gleich beten werde, die Eltern beteten und nach einer liturgischen Überleitung (»Dies bitten wir im Namen Christi, unseres Herrn«) antwortete die Gemeinde mit »Amen«. Soviel gedankliche Effizienz und Beteiligung einzelner und der Gemeinde habe ich in einer Fürbitte noch nicht erlebt. Beglückende Liturgie.
Ein anderes liturgisches Schlüsselerlebnis holte mich vergangenen Sonntag ein. Durch Zufall geriet ich in einen Gottesdienst, in dem Prof. Helmut Egelkraut (AT) predigte. Abgesehen von seiner anregenden Predigt ist mir seine Art zu segnen hängen geblieben: Ein selbstbewusst gesprochener indikativischer Segen (»Der Herr segnet Dich und behütet Dich« anstatt »Der Herr segne Dich und behüte Dich«). Wie wohl das tut, wenn einer implizit sagt: Gottes Segen ist so da wie er selbst; die angemessene Haltung Gottes Segen gegenüber ist, ihn in den Dingen zu sehen, die ich schon habe und die Gott gerade an mir tut, anstatt meine gegenwärtige Situation gering zu achten und zu bangen, dass Gott in Zukunft endlich einmal segnen möge … Danke, Helmut; danke, Gott!
