Kurzcharakteristik, Literatur (eher offline), Links …………………………………………
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Kurzcharakteristik
Josephus berichtet an verschiedenen Stellen seiner Hauptwerke »Jüdische Altertümer« und »Der jüdische Krieg« vom Auftreten bestimmter Gestalten zwischen 35 und 72 n. Chr., die sich wohl zumeist als Propheten verstanden, an messianische Erwartungen anknüpften, mit ihren Aktionen/Vorhaben die römischen Sicherheitsstrategien verletzten und schließlich scheiterten. Diese Gestalten werden im Anschluss an Paul Barnett (1980) als »sign prophets / Zeichenpropheten« oder im Anschluss an Richard Horsley (1985) als »action prophets [ohne dt. Äquivalent]« bezeichnet. Die Berichte des Josephus gestalten sich inhaltlich und formal sehr ähnlich, so dass sie Riedo-Emmenegger hinsichtlich ihrer Gattung als Truggeschichten1 identifizieren kann: „Eine beabsichtigte Aktion der Propheten wird jeweils von den römischen Behörden mit militärischen Mitteln verhindert und die Gruppe mitsamt Ihrer Führung zerschlagen oder sogar völlig vernichtet“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 246); die Getäuschten sind am Ende die Gefolgsleute. Josephus ist den Zeichenpropheten nicht gerade geneigt und nennt sie „πλάνοι ἄνθροποι καὶ ἀπατεῶνες / umherirrende Menschen und Betrüger“ (Bell II 259), trotzdem aber scheint in manchen seiner Darstellungen ihr Anspruch durch, Propheten zu sein. Auch Tun und Ergehen von Johannes dem Täufer und Jesus von Nazareth können – mit wichtigen Unterschieden – in die Phänomenologie der Zeichenpropheten eingeordnet werden.
Literatur (eher offline)
- Der Wikipedia-Artikel »Wunder Jesu« (klick!, gelesen 2015-01-28) enthält einen Abschnitt zu den Zeichenpropheten ohne Quellenangaben und weiterführender Literatur, der eingebunden ist den Vergleich der Wunder Jesu mit Analogien aus der Umwelt.
- Soweit ich sehe, liegt derzeit mit Christoph Riedo-Emmeneggers Prophetisch-messianische Provokateure der Pax Romana. Jesus von Nazaret und andere Störenfriede im Konflikt mit dem Römischen Reich [NTOA/StUNT 56], Göttingen 2005, die ausführlichste Studie vor. Der Verfasser analysiert zunächst die „Strategien der Machterweiterung und -sicherung des Römischen Imperiums in der Republik und der Kaiserzeit“ (Überschrift Teil I), um im zweiten Teil Tun und Ergehen der Zeichenpropheten, des Täufers und Jesu vor dem Hintergrund des Wirkens der „Klientelfürsten und Prokuratoren als Sachwalter der Sicherheitsinteressen Roms“ (Überschrift Teil E) darzustellen. Dabei bietet er den griechischen Text von Josephus mit Übersetzung. Walter Rebell (Rezension zu Riego Emmenegger 2005, Provokateure, in: ThLZ 132/5 (2007), 530–532) lobt den hermeneutischen Nutzwert des ersten Teils: „Man fängt an, von Rom aus, vom römischen Kalkül her, auf die Vorgänge in Palästina zu schauen“ (aaO, 531). Kritisch sieht er die Gewichtung der Arbeit: Anstatt des zu langen historischen Anmarschweges hätte die Dissertation noch „auf ‚Provokateure‘ auch in anderen Provinzen und in andern religiösen Kontexten“ (aaO, 532) eingehen sollen. Ein Gewinn des Buches liegt in der Erkenntnis, dass die Jesusbewegung nach der Kreuzigung nicht zuletzt deshalb fortgeführt werden konnte, weil die Römer im Vergleich zu den Zeichenpropheten wenig restriktive Maßnahmen gegen Jesus und seine Anhänger ergriffen hatten.2
- Paul Barnett, The Jewish sign prophets, in: NTS 27 (1980), 679–697, erneut gedruckt in: The historical Jesus in recent research [Sources for biblical and theological study 10], hg. von James D. G. Dunn u. Scot McKnight, Winona Lake 2005, 444–462.
- Horsley, Richard: „Like one of the prophets of old“. Two types of popular prophets at the time of Jesus, in: CBQ 47 (1985), 435–463.
- Viele andere führen mehr oder weniger ausführlich die wichtigsten Fakten zu den Zeichenpropheten listenartig auf:
- Ferdinand Hahn (2011), frühchristliche Prophetie,3 gibt unter § 4 (Frühjüdische Prophetie) auf drei Seiten (30-32) eine knappe Zusammenfassung.
Ausarbeitungen
- »www.bibel-faq.net/zp-liste« (klick!) gibt einen Überblick über das, was wir von den jüdischen Zeichenpropheten des 1. Jahrhunderts im Einzelnen wissen.
Letzte Aktualisierung: 4. Februar 2015, Stephan Rehm.
- Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 247: Es „leiden Leute durch einen oder mehrere schlechte Menschen und werden ‚hinters Licht geführt‘“ (aaO, 271). ↩
- Bei dem Täufer und Jesus genügte „als Massnahme (sic!) in den Augen der Verantwortlichen, das Haupt der Gruppe zu beseitigen. Offenbar wurden sie nicht in der Weise als politische Kräfte mit einem klaren politischen Konzept und einer damit verbundenen Strategie eingestuft wie die Zeichenpropheten“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 311). ↩
- Ferdinand Hahn: Die frühchristliche Prophetie. Ihre Voraussetzungen, ihre Anfänge und ihre Entwicklung bis zum Montanismus. Eine Einführung, Neukirchen-Vluyn 2011. ↩