Woher wir was über welche Zeichenpropheten wissen …

Liste der Zeichenpropheten und deren Gemeinsamkeiten ………………………………………..

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Eine Auflistung mit möglichst detaillierten Informationen über die frühjüdischen Zeichenpropheten des 1. Jh. n. Chr., ihre Aktionen und ihr Ergehen

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die einzelnen Figuren

Die folgende Liste enthält alle greifbaren Informationen aus den Texten des Josephus und der verfügbaren Sekundärliteratur, die auf der Themenseite »www.bibel-faq.net/zeichenpropheten« (klick!) angegeben ist. Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, zählt Judas den Galiläer nicht als Zeichenprophet. Dem samaritanischen Propheten widmet er ein eigenes Kapitel; eine Begründung für die Unterscheidung in der Gliederung habe ich nicht gefunden.

  • Judas der Galiläer (Ant XVIII 23-25; Bell II 117; Apg 5,37: Namensnennung) begründete 6 n. Chr. im Zusammenhang mit der Censusforderung des Quirinius die Zelotenpartei und führte einen Aufstand gegen die Römer an. Prophetisch-charismatische Züge sind umstritten.

der Samaritanische Prophet (35-36; Garizim)

  • Ein Samaritaner (Ant XVIII 85-87 nennt ihn „ἀνήρ ἐν ὀλίγῳ τὸ ψεῦδος τιθέμενος / ein Mann, der wenig auf die Lüge achtet“) versammelte 35 oder 36 zahlreiche Anhänger (absolute Zahl fehlt) im Dorf Tirathana und versprach, mit ihnen auf den heiligen Berg Garizim zu ziehen, um dort die Heiligen Geräte, die Mose vergraben hatte, vorzuzeigen. Das Volk bewaffnete sich. Dieses Vorhaben hatte insofern politische Brisanz, da die Hoffnung auf die Reetablierung eines eigenen Kultes für die Samaritaner auf dem Garizim ein klares Endzeitsignal war. Im Hinblick auf das Selbstverständnis des Samaritanischen Propheten sind mehrere Möglichkeiten plausibel: Vielleicht hat er sich für den »Propheten wie Mose« (5Mo 18,15) oder für eine Art »Mose redivivus«, sicher aber nicht für einen messianischen Davididen gehalten, da diese Tradition mit Jerusalem, der konkurrierenden Stadt, verbunden war.
  • Der Präfekt Pontius Pilatus schnitt den Weg auf den Berg mit Reitern und Fußsoldaten ab. Einflussreiche und Vornehme, die im Kampf nicht gefallen oder geflüchtet waren, ließ Pilatus hinrichten.
  • Nach Ant XVIII 88 klagten die Samaritaner daraufhin Pilatus vor seinem Vorgesetzten, dem syrischen Legaten Vitellius, an, der infolgedessen abgesetzt und zum Kaiser geschickt wurde. Allerdings begründet Ant XVIII 88 die Versammlung in Tirathana nicht religiös, sondern stellt sie als Versammlungsort von Samaritanern dar, die vor der Hybris des Pilatus geflohen seien; die Bewaffnung sei nicht um eines Aufstandes willen erfolgt. Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 272-274, legt genauer dar, was diese Hybris gewesen sein könnte, erwägt, ob die Waffen als Schutz gebraucht werden sollten, und weshalb Pilatus so schnell zur Stelle sein konnte. Dass Pilatus über die Affäre »stolperte«, liegt wohl weniger am harten Durchgreifen an sich, sondern eher an der eigenmächtigen Hinrichtung lokaler Würdeträger.

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Theudas (44-46; Jordan)

  • Theudas wird in Ant XX 97-99 (Josephus nennt ihn „γόης / Gaukler“, gesteht aber zu: „προφήτην γὰρ ἔλεγεν εἶναι / er behauptete nämlich, ein Prophet zu sein“) und Apg 5,36 („ἀνέστη Θευδᾶς λέγων εἶναί τινα ἑαυτόν / Theudas stand auf und behauptete, selbst etwas [Besonderes] zu sein“) erwähnt. Falls Lukas mit seinen spärlichen Aussagen den gleichen Theudas meint, stellt seine zeitliche Einordnung des Theudas noch vor Judas und den Zensus das größte Harmonisierungsproblem dar.1
  • Er veranlasste um 44-46 eine sehr große Menschenmenge (Josephus; Lk: etwa 400 Männer), ihm mit ihrer Habe zum Jordan zu folgen. Er prophezeite, den Jordan spalten zu können, so dass ein leichter Durchgang entstünde. Zweifellos wäre dieser Durchzug ein „Zeichen für die beginnende Heilszeit2 gewesen; die mit der Heilszeit zu erwartende Strukturveränderung nahmen die Nachfolger bereits vorweg, indem sie mit ihrer Habe auszogen und so die römische Sicherheitsstruktur in Frage stellten. Umsiedlungsaktionen waren genehmigungspflichtig, und wer ohne Meldung umzog, entzog sich der Steuer. Der vielfältige traditionsgeschichtliche Hintergrund für das Motiv »Geschehen am Jordan« lässt jedoch noch andere Interpretationen zu: Das Teilen des Jordan bei Elia und Elischa zum Beispiel begründet Elischas Identität, ein legitimer Prophet zu sein; an einer ähnlichen Legitimierung hatte Theudas wohl durchaus Interesse.
  • Prokurator Fadus rieb den Zug lediglich mit einer überraschend angreifenden Reiterei auf, wobei viele starben, lebend ergriffen oder zerstreut wurden. Theudas wurde geköpft; seinen Kopf überstellte man nach Jerusalem. Dass eine Reiterei reichte, um die Eskalation mit massiver Stärke zu verhindern, ist ein Argument dafür, dass die Theudasgruppe unbewaffnet war. Die Überstellung des Kopfes nach Jerusalem diente „als Warnung für zukünftige Provokateure der römischen Ordnung“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 249; farbige Hinterlegung SR).

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namenlose »Betrüger« unter Felix (52-60; Wüste)

  • Sowohl Ant XX 167-168 als auch Bell II 258-260 berichten über „γόητες καὶ ἀπατεῶνες / Gaukler und Betrüger“ (167) bzw. „πλάνοι ἄνθρωποι καὶ ἀπατεῶνες / umherirrende Menschen und Betrüger“ (259), jeweils direkt nach den Berichten über die Meuchelmorde der Sikarier in Jerusalem unter Festus und vor dem Auftreten des ägyptischen Propheten. Ob diese zeitlich vor dem ägyptischen Propheten auftraten, ist nicht sicher, da dieser in den Augen des Josephus der größere Schadenstifter war und der Bericht über ihn deshalb erzählstrategisch nachgeordnet sein kann.
  • Diese Gaukler stellten irgendwann zwischen 52 und 60 (zur Amtszeit des Prokurators Felix) die Volksmenge Jerusalems „unter dämonische Einwirkung“ (δαιμονάω), indem sie vorgaben, göttliche Eingebungen empfangen zu haben. Sie überredeten die Menge, ihnen in die Wüste zu folgen, wo Gottes Vorsehung entsprechend augenfällige Wunder und Zeichen bzw. „Zeichen der Befreiung“ (Bell II 259) geschehen würden. Wie die Beglaubigungszeichen des Mose der eigentlichen Befreiung der Israeliten vorangingen, wird auch hier die Befreiung erst nach den Zeichen in der Wüste erwartet. „Die Wüste erscheint [...] als Ort der eschatologischen Gegenwart Gottes“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 251), dessen Geschichtsplan bestätigt und die Befreiung Israels angezeigt werden soll. δαιμονάω kann »ekstatische Verzückung« bezeichnen, meint aber – so die semantische Analyse bei Josephus – eher »Wahnsinn« oder »Besessenheit«. Die unrealistische Gutgläubigkeit der Gefolgsleute ist Josephus unverständlich, er spricht von »ἀφροσύνη / Torheit«.
  • Der Prokurator Felix ließ viele durch Reiter und Schwerbewaffnete töten, bzw. brachte sie zur Hinrichtung nach Jerusalem zurück. Dass die Niederschlagung mit einer militärischen Einzelaktion erfolgen konnte, lässt darauf schließen, dass es sich um ein einzelnes Ereignis handelt. Dass Josephus Schwerbewaffnete erwähnt, lässt entweder auf eine Bewaffnung der Gefolgsleute schließen oder darauf, dass Josephus die Aufrührer in die Nähe der Sikarier rücken möchte.

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ein ägyptischer Prophet (52-56; Ölberg)

  • Ein „Αἰγύπτιος ψευδοπροφήτης / ägyptischer Lügenprophet“ und „ἄνθρωπος γόης/ gauklerischer Mensch“ (Ant XX 169-172; Bell II 261-263; Apg 21,38) sammelte zwischen 52 und 56 (vor der Verhaftung des Paulus) Anhänger im Jerusalemer Volk (Ant) und zog mit ihnen auf Umwegen durch ländliche Gegenden, wo seine Gefolgschaft auf bis zu 30.000 Menschen wuchs (Bell). Durch seine Versprechungen aufgewiegelt, gelangten sie durch die Wüste (Apg) auf den Ölberg, von wo aus der Prophet mit seiner bewaffneten Gefolgschaft die Stadt einnehmen wollte, um Herrscher zu werden (Bell), bzw. er hatte versprochen, dass er von dort aus die Stadtmauern einstürzen lassen werde, um so den Weg zu bahnen (Ant). Die Verbindung der für eschatologisch Gebildete höchst sensiblen Stadt Jerusalem mit der an Josuas Jericho-Erzählung anknüpfenden Zeichenerwartung und der militärischen Bereitschaft lieferte das nicht zu unterschätzende Aufruhrpotential und ließ ein Einschreiten hier wohl besonders dringlich erscheinen. Dass der römische Hauptmann in Apg 21 die Gefolgsleute des Ägypters als Sikarier bezeichnet, mag in der römischen Gewohnheit begründet liegen, alle antirömischen Rebellen in Judäa Sikarier zu nennen.
  • Der Prokurator Felix trat der Gruppe mit Reitern und Fußvolk (Schwerbewaffneten) entgegen und tötete/fing die meisten der Anhänger (Bell), bzw. tötete 400 und nahm 200 gefangen (Ant). Die Apg (4000 Sikarier ziehen in die Wüste) nennt eine Zahl dazwischen, erhellt jedoch nicht das Ende der Bewegung. Nach Bell beteiligte sich auch das Jerusalemer Volk an der Abwehr des Angriffs (Bell); der Ägypter jedoch konnte wohl fliehen und verschwand spurlos. So kann der römische Hauptmann vermuten, Paulus könne jener Ägypter sein. Weil der Ägypter sowohl ein prophetisches Selbstverständnis mitbrachte, als auch die Herrschaft an sich reißen wollte, kann seine Aktion wohl als ambitionierteste unter denen den Zeichenpropheten bezeichnet werden.

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ein namenloser »Gaukler« unter Festus (60-62; Wüste)

  • Ant XX 188 berichtet von Menschen, die zwischen 60 und 62 (zur Amtszeit des Prokurators Festus)ὑπὸ τινος ἀνθρώπου γόητος / von irgendeinem Menschen, einem Gaukler“ betrogen wurden (ἀπατηθέντες). Sofern sie ihm bis in die Wüste folgen würden, versprach er ihnen Rettung und das Aufhören ihres Elends. Obwohl nichts von einem versprochenen Zeichen oder Wunder berichtet wird, „erinnert das Vokabular [...; gemeint ist Gaukler, betrügen, Rettung, Wüste] sehr stark an die anderen Berichte über die Zeichenpropheten, so dass sich eine Zuordnung [...] zu dieser Kategorie verantworten lässt“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 255-256). Zudem liegt mit dem Versprechen eine Art Prophezeiung vor, die eindeutig auf eschatologisch erwartete Zustände Bezug nimmt.
  • Die Streitmacht des Prokurators Festus jedoch, bestehend aus Reitern und Fußsoldaten, machte alle Beteiligten nieder.

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(Zeichen-)Prophetie im Kontext des Jüdischen Krieges (62-70; Tempelhalle)

  • Die einzige (namenlose) Gestalt, die Anhänger sammelt, an einen bedeutenden Ort zieht und Zeichen verspricht, ist „ψευδοπροφήτης τις / irgendein Falschprophet“, über den Josephus in Bell VI 283-285 berichtet. An einem Tag des Jahres 70 soll er aufgetreten sein und eine Anweisung Gottes verkündet haben, wonach diejenigen, welche die Zeichen der Rettung erwarten werden, zum Tempel hinaufsteigen sollen. So versammelten sich an die 6000 Männer, Frauen und Kinder in einer Säulenhalle des äußeren Tempelbezirks.
  • Soldaten, die gerade damit beschäftigt waren, Feuer im Tempel zu legen, setzten, „fortgerissen von ihrer Raserei“, ohne Befehl eines Vorgesetzten auch diese Halle in Brand, so dass alle umkamen.
  • An die Erzählung schließt Josephus in 286-288 zusammenfassende Bemerkungen über „eine große Zahl“ von Pseudopropheten an, die von den Tyrannen bestochen worden seien, um das Volk anzuhalten, auf die Rettung durch Gott zu warten, damit die Menschen nicht desertierten und durch diese Hoffnung aufgerichtet würden. Diesen Falschpropheten hätten die Menschen mehr vertraut als den Zeichen Gottes, die die kommende Verwüstung anzeigten, und die Josephus in 289-299 erwähnt (darunter ein bestimmter Stern über der Stadt, ein Komet, ein helles Licht über Nacht im Tempel, eine Belagerungsszene, die an einem Abend in den Wolken erschienen sei, u. a.). Am schrecklichsten aber war laut Josephus das Wirken des Jesus ben Chananja:
  • Der ungebildete Landbewohner Jesus ben Chananja (Bell VI 300-309) ließ von 62 bis 69 (sieben Jahre und fünf Monate) wiederholt monotone Weherufe über die Stadt Jerusalem, das Volk und den Tempel hören. Auf Anfragen erklärte er seine Botschaft nicht; er ließ sich von den lokalen Eliten und dem Prokurator Albinus schlagen und foltern ohne sein Verhalten zu ändern. Als er während der Belagerung Jerusalems durch die Römer von der Stadtmauer seine Weherufe erklingen ließ, soll ihn ein Wurfgeschoss getroffen haben, so dass er sofort starb. Sein letzter Weherufe habe ihm noch selbst gegolten.
  • Auf eine „χρησμὸς ἀμφίβολος / zweideutige Weissagung [...] in ihren heiligen Schriften“ verweist Josephus schließlich noch in Bell VI 312-313: Ein Mensch aus ihrem (der Juden) Land solle Regent über die bewohnte Erde werden. In der Meinung, diese Voraussage beziehe sich im Detail auf einen Juden, seien viele Weise betrogen worden; dabei sei mit Sicherheit Vespasian gemeint, der in Judäa zum Imperator ernannt wurde. So missverstanden, habe die Weissagung die Juden zum Krieg gegen die Römer ermutigt.

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Jonathan, der Weber (um 72; Wüste)

  • Ein Sikarier namens Jonathan, der nicht als Prophet bezeichnet wird (Bell VII 437-450; Vita 424-425) habe um 72 in der lybischen Provinzhauptstadt Kyrene nicht wenige Arme um sich geschart und ihnen versprochen, „σημεῖα καὶ φάσματα / Wunderzeichen und Erscheinungen“ in der Wüste zu zeigen.
  • Durch eine frühzeitige Meldung des Falles durch die angesehenen Juden an den römischen Statthalter Catull wurden die Anhänger von der römischen Reiterei und dem Fußvolk entweder ermordet oder gefangengenommen; Jonathan entkam zunächst. Nach intensivem Suchen gefasst, belog er Catull zuungunsten der angesehenen Juden, die ihn zu dem Anschlag gebracht hätten. Der Statthalter nutzte die Gunst der Stunde, um sich zu bereichern, endete aber wie Jonathan (der gegeißelt und danach verbrannt wurde) nicht lange nach einem Verhör vor dem Kaiser an einer psychosomatischen Krankheit (Verwirrung und herausfallende Gedärme), wie Josephus in Bell VII 451-453 schildert.
  • Der Vorfall betont weniger das durch die Zeichenversprechung angelegte prophetische Profil des Jonathan, sondern spiegelt eher einen sozialen Konflikt zwischen reichen und armen Juden wider. Josephus hat das Interesse, die Verleumdungen des „πονηρότατος ἄνθρωπος / sehr schlechten Menschen“ Jonathan herauszustellen, da dieser auch ihn vor dem Kaiser bezichtigt hatte, seinen Aufstand finanziert zu haben.

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Gemeinsamkeiten

Es ist nicht unumstritten, was eine Gestalt der jüdischen Geschichte des 1. Jahrhunderts zu einem Zeichenpropheten macht. Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 260-270, zählt zusammenfassend Folgendes auf:

  • Sie glaubten an ein wunderbares Eingreifen Gottes zur Rettung in die erwartete Heilszeit hinein und zur Befreiung von der römischen Vorherrschaft.
  • Die Zeichenpropheten versprachen, „dass im Zusammenhang mit dem Eingreifen Gottes dieser oder sie selbst wundersame Taten, ‚Zeichen‘ erwirken würde“ (aaO, 263; Hervorhebung SR). „Die angekündigten Wunder hatten in Analogie zu den grossen [sic!] Zeichen der Mose- und Josuatradition legitimierenden Charakter und waren in der Darstellung von Josephus als ‚Beglaubigungswunder‘ konzipiert“ (aaO, 264). Legitimiert wird durch die Zeichen also nicht nur der Prophet und sein Handeln, sondern auch, dass seine Botschaft mit Willen und Plan Gottes übereinstimmt. Zeichen, die Wunder aus der Heilsgeschichte Israels (vornehmlich der Landnahmetradition) typologisch wiederholen, haben „in der Vielzahl der im 1. Jh. n. Chr. in Palästina kurierenden messianischen Erwartungen Anknüpfungspunkte und können als Teil eines Realisierungsversuchs solcher Erwartungen verstanden werden“ (aaO, 263; farbige Hinterlegung SR, Kursive im Original).
  • Die Absicht, von der römischen Fremdherrschaft befreit sein zu wollen, teilen die Zeichenpropheten mit den Widerstandskämpfern der Zeit. Im Gegensatz zu diesen haben sie aber keinen politischen Plan von der Befreiung. Die Zeichenpropheten unterscheiden sich von den Widerstandskämpfern daher nicht im Ziel, sondern in der „Einschätzung der eigenen Rolle im Kampf“ (aaO, 264), allerdings jeweils mit bedeutend geringerem Realitätssinn. Liegt bei den einen der Schwerpunkt darauf, dass die Zeichen ihre prophetische Identität legitimieren, so tragen andere zusätzlich Züge von Bewegungen, die aus einer königlich-messianischen Tradition herauswuchsen und deren Führer den Anspruch erhoben, König zu sein oder zu werden. Zeichenpropheten und Aufständische genau zu unterscheiden, sei jedoch nicht leicht, da Josephus die Zeichenpropheten in seiner Darstellung bewusst militarisiere.
  • Josephus bezeichnet die Zeichenpropheten als Gaukler (γόης), Betrüger (zugrundeliegendes Verb: ἀπατάω und Komposita) und Pseudopropheten. Vor allem Γόης ist bei Josephus ein Signalwort für die unumgängliche Uneindeutigkeit der Beglaubigungszeichen, die auch Ergebnis von Betrug sein können. Dass Josephus die Zeichenpropheten begrifflich abwertet, dient seiner eigenen Legitimierung: „Diese angeblichen Propheten hatten sich getäuscht und Gottes Willen und Plan verkannt im Gegensatz zu ihm selbst, dem richtigen Interpreten“ (aaO, 267). Es ist der Beweis der Geschichte, dass kein einziges Zeichen eintraf bzw. eintreffen konnte.
  • „Die Zeichenpropheten waren Führer von ansehnlichen Bewegungen(aaO, 267), wobei Josephus leider nur vereinzelt absolute Zahlen nennt; die feste Gefolgschaft von Johannes dem Täufer oder Jesus sei jedoch demgegenüber klein gewesen. Die Abfolge »Sammlung von willigen Nachfolgern – Aufforderung zur Nachfolge – Versprechen einer religiösen Schau« ist mehrmals rekonstruierbar.
  • Die Gefolgschaft der Zeichenpropheten hat sich anscheinend „aus dem gewöhnlichen Stadt- und Landvolk rekrutiert“ (aaO, 268), wobei schwierig zu sagen ist, ob und wie soziale oder wirtschaftliche Faktoren das Entstehen begünstigt hat. Obwohl wahrscheinlich „der soziale und ökonomische Druck auf die unteren Bevölkerungsschichten zur Bildung solcher Gruppen beigetragen“ (ebd.) hat, richteten sich die Bewegungen eher nicht gegen besser situierte Gesellschaftsschichten.
  • Anlass zum Einschreiten war für die Römer die Ortsveränderung der Gruppen, der „Exodus aus den vorgegebenen Strukturen [...] hin zu geschichtsträchtigen Orten“ (aaO, 269). Entscheidend ist dabei das Verlassen vorgegebener Strukturen, weil manche mit ihrer Habe oder bewaffnet wegzogen und so die römischen Sicherheitsstrukturen angriffen; für die Brisanz des Ziels hingegen (ein historisch bedeutsamer Ort oder lediglich »Einöde« oder »Wüste«) brachten weniger die Römer, sondern eher die lokalen Behörden eine gewisse Sensibilität auf. Diese Einschätzung wird dadurch gestützt, dass Josephus von der jeweiligen Vorgeschichte der Gruppen (Sammlung, Ausbildung einer Art Kerygma o. ä.) nichts berichtet; erst die Ortsveränderung ist hinreichend wichtig für die Berichterstattung und provoziert das Eingreifen der Römer.

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Johannes und Jesus

Johannes der Täufer (um 27-30; Jordan)

  • Josephus berichtet über Johannes den Täufer in Ant XVIII 116-119 und nennt ihn einen „ἀγαθὸν ἄνδρα / guten bzw. edlen Menschen“. Herodes habe ihn aus Angst, das Volk könne in ihm aufgrund seiner Mahnungen zu einem gerechten Leben, die akzeptiert wurden und sich zu bewähren schienen, eine Kristallisationsfigur für einen Aufstand erkennen, präventiv verhaften und hinrichten lassen. Einige Juden meinten, ein darauf folgender militärischer Misserfolg des Herodes sei Gottes Strafe für die Hinrichtung des Johannes.
  • Wie sich aus dem Bild ergibt, das die Evangelien von Johannes überliefern (Mt 3,1-11; Lk 1; Mk 1,1-11; 3,1-22), hat er sich durch seine Kleidung, seine asketische Lebensweise und durch den Aufenthaltsort in der Wüste / am Jordan am ehesten als alttestamentlicher Prophet stilisiert und wirkte vor allem durch seine Umkehrpredigt, die aufgrund der überall erwarteten Heilszeit auf fruchtbaren Boden fiel. Jedoch hat er keine Beglaubigungszeichen vorausgesagt oder erwartet; lediglich seinem Taufen kann man Zeichencharakter zubilligen. Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 277, versteht ihn deshalb als Prophet, „der in der Taufe eine prophetische Symbolhandlung vollzog.“
  • Zur Zeit des Johannes nahm Herodes Antipas als Tetrarch von Roms Gnaden die Funktion der späteren Prokuratoren wahr. Die Absetzung seines Bruders Archelaos vor Augen, zögerte er nicht, die Sicherheitsinteressen Roms zu verteidigen. Die Sicherheitsinteressen Roms sah Herodes nach Josephus durch einen potentiellen Aufruhr gefährdet, nach dem Bericht der Evangelien durch die Königsschelte des Johannes wegen des Ehebruchs mit Herodias und der damit verbundenen Verstoßung der Nabatäerprinzissin, die er wohl auch als Angriff auf die Staatsautorität interpretierte. Indem Herodes Johannes ausschaltete, unterdrückte er gleichzeitig die Tempelkritik, die der Umkehrpredigt und Taufpraxis des Johannes innegewohnt hatte: War bei Johannes eine in der Taufe beglaubigte Umkehr der Heilsweg, so brauchte man den von dem Römern legitimierten Tempel ja nicht mehr. Nach dem Tod des Johannes war das von den Römern sanktionierte religiöse Tempelsystem wieder weniger angefochten. Da die Nabatäerprinzissen nach ihrer Verstoßung zu ihrem Vater Aretas IV. floh, was einen für Herodes verheerenden Krieg nach sich zog, ist die Deutung der Juden verständlich, der Misserfolg sei Gottes Strafe für den Tod des Täufers.
  • In den Evangelien lassen sich zahlreiche Spuren entdecken, die ein Ringen um die Identitätsbezeichnungen des Johannes und Jesu bezeugen. Dabei wichen die messianischen Züge, die auch der Täufer mit großer Wahrscheinlichkeit hatte, einer Vorgängerrolle, die im Evangelium nach Johannes am stärksten ausgebaut ist. Gemeinsam war ihnen, dass die Botschaft beider Charismatiker eschatologische Züge trug; in ihrem Wirken konnte Messianisches erkannt werden. Beide verließen ihre Heimat und ihre Familie zugunsten eines Wandercharismatikertums und hatten Anhänger, die sich nach deren Tod weiterhin versammelten. Ein Unterschied besteht darin, dass Johannes wohl keine Gegner unter der lokalen jüdischen Elite gegen sich aufgebracht hatte.

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Jesus von Nazaret (um 30; Jerusalem)

  • Dass Jesus von Nazaret als historische Gestalt existierte, steht außer Zweifel. Josephus zeugt von Jesus im sogenannten und seit dem 16. Jahrhundert höchst umstrittenen Testimonium Flavianum (Ant XVIII 63-64) und in einer kleinen Notiz (Ant XX 200), in der er Jakobus über Jesus vorstellt (Jakobus ist der Bruder „Ἰησοῦ τοῦ λεγομένου Χριςτοῦ / Jesu, der Christus genannt wird“). Dies ist jüdischer Schriftgebrauch, um Personen gleichen Namens unterscheiden zu können (analog Kol 4,11). Das »Testimonium« ist wahrscheinlich christlich überarbeitet, da es drei explizit christliche Bekenntnisaussagen enthält, die der Jude Josephus so hätte nicht schreiben können. Vermutlich lag eine neutral bis leicht positiv würdigende Berichterstattung wie bei Johannes dem Täufer zugrunde.3 Die Hauptquellen über Jesus liegen demgegenüber natürlich in den kanonischen Evangelien vor.
  • Jesus verkündigte den Anbruch der Gottesherrschaft und verstand sich selbst „nicht nur als der[en] authentische[r] Verkünder [...], sondern auch als ihr exklusiver Vermittler“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 284; farbige Hinterlegung SR). Mit seiner Predigt und seinen zeichenhaften Wundern gewann er in Galiläa zahlreiche Anhänger. Messianische Erwartungen wurden an ihn herangetragen. Sein Anspruch, Sünden zu vergeben, explizit ausgesprochen oder – durch Gewährung von Gemeinschaft für Sünder – implizit gelebt, war anstößig und musste Widerspruch unter den jüdischen Eliten erregen. Da Jesus seine Zuhörer immer wieder nach Hause schickte, ging allein von seinem Predigen jedoch keine Gefahr für die Stabilität des politischen Systems aus. Als er einmal zur Vor-Passahfestzeit in Jerusalem weilte, leiteten die jüdischen Eliten als Präventivmaßnahme gegen einen möglichen Aufruhr des Volkes den Prozess gegen ihn ein (Joh 11,49-51), als dessen Ergebnis Pilatus ihn kreuzigen ließ. Die Kreuzesinschrift trug dabei eine Schuldangabe, was abschreckend wirken sollte; bei Jesus: »ὁ βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων / König der Juden« (Mk 15,26).
  • Für Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, sind die prophetischen Zeichenhandlungen Jesu, abgesehen von der Tempelreinigung, im Hinblick auf deren Relevanz für die Hinrichtung durch Pilatus kaum interessant. Die Tempelreinigung hält er in ihren Grundbestandteilen, einem eschatologisch intendierten Wort und einer räumlich und hinsichtlich ihrer Effektivität begrenzten Aktion im Tempelvorhof, für historisch. Im Prozess habe der Vorgang und das Tempelwort eine gewichtige Rolle gespielt. Die eigentliche Ursache für Jesu Verhaftung habe jedoch in der möglichen Wirkung Jesu auf die Volksmengen gelegen: Es ist die „Anziehungskraft auf die Massen, die auch das prophetisch-eschatologische Wirken Jesu politisch brisant machte und die Synedristen zu ihrem Todes- bzw. Verhaftungsbeschluss bewegte“ (aaO, 297). So war der Grund für Jesu Hinrichtung politischer Art. Pilatus analysierte die Identität Jesu, Mittler der Königsherrschaft Gottes (und nicht der König selbst) zu sein, nicht in der nötigen Differenziertheit, dass er davon abgesehen hätte, Jesus zu kreuzigen. In seiner Denktradition kam nach Aufwiegelung gleich Steuerverweigerung, was nach Lk 23,2 ebenfalls eine Rolle bei der Verhandlung spielte. Schließlich wurde der Prediger der Gottesherrschaft als Königsprätendent, politischer Unruhestifter oder Revolutionär hingerichtet. Die Kreuzesinschrift trug diese Anklage; unter der Kreuzesinschrift wurden die Konsequenzen des angeklagten Tuns illustriert. Zusätzlich schreckte ab, dass die Kreuzigung die schändlichste Hinrichtungsart jener Zeit war.
  • Zwar teilt Jesus mit den Zeichenpropheten auf den ersten Blick die gemeinsamen Faktoren »prophetische Identität«, »nachfolgende Menschenmenge«, »Zug an einen Ort« und »(Wunder-)Zeichen«4; dies lässt sich bei genauerem Hinsehen aber nicht halten: Die Menschenmenge schickte er in der Regel wieder nach Hause, und Jesu (Wunder-)Zeichen wie auch seine zeichenhaften Handlungen hatten gerade keine belaubigende Funktion, wie sie die Zeichenpropheten erwarteten. Jesus lehnte Authentifizierungszeichen konsequent ab (Mk 8,11-13 || Mt 16,1-4 / Mt 12,38-42 || Lk 11,16.29-32). Zudem forderte Jesus nicht zu äußerlich Veränderungen auf, sondern versuchte, Konsequenzen des nahenden Gottesreiches im Inneren der Menschen anzustoßen.

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Fazit

Der Begriff »Zeichenpropheten« umreißt – als »kleinster gemeinsamer Nenner« – das phänomenologisch ähnliche Auftreten von Juden des ersten Jahrhunderts, die in einer eschatologisch sensiblen Zeit Wunderzeichen Gottes für die angeblich bevorstehende Rettung/Befreiung versprachen, mit ihrer Gefolgschaft Ortsveränderungen vornahmen und so das vernichtende Eingreifen der Römer provozierten. Um die dahinter befindlichen Geschichten vollständiger zu erfassen, muss einerseits das Interesse der Berichterstattung des Josephus und anderer Quellen und andererseits der jeweils verschiedene historische Kontext der jeweiligen Gestalten beachtet werden. So wird deutlich, dass Jesus und Johannes von weitem zwar Gemeinsamkeiten mit den Zeichenpropheten aufweisen, jedoch bei näherem Hinsehen nur hinsichtlich der zeitgeschichtlichen Rahmensituation und der (präventiven) gewaltsamen Reaktion der Römer heraus in eine gemeinsame Kategorie gefasst werden.

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Letzte Aktualisierung: 6. Februar 2015, Stephan Rehm.

  1. Vielleicht verwechselt Lukas „den Aufstand der Söhne des Judas bei der einverleibung Galiläas und Samarias in die Provinz Judäa (44 n. Chr.) mit demjenigen von Judas Galiläus (6 n. Chr.)“ (Riedo-Emmenegger 2005, Provokateure, 248, Anm. 1950).
  2. So die Interpretation des angekündigten Zeichens bei Hahn 2011, frühchristliche Prophetie, 31.
  3. Ausführlich dargestellt sind Problem und Lösungsansätze bei Theißen/Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 32001, 73-95.
  4. Die gemeinsamen Faktoren postuliert Barnett 1980, Sign Prophets, 689-694.

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