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- Einleitendes
- Stellen, in denen über Falschpropheten gesprochen wird
- Stellen, die über den Prophetenstatus Johannes des Täufers Auskunft geben
- Stellen, die über den Prophetenstatus von Jesus Auskunft geben
- Mt 13,57 / Mk 6,4 / Lk 4,24 / Joh 4,44
- (Mt 14,1-2 /) Mk 6,15 / Lk 9,8
- Mt 16,14 / Mk 8,28 / Lk 9,19
- Mt 26,68 / Mk 14,65 / Lk 22,64
- Mt 12,39.41 / Lk 11,32
- Mt 23,29-39 / Lk 13,31-35
- Mt 21,11.46
- Lk 7,16
- Lk 7,39
- Lk 24,19.21
- Apg 3,22-23; 7,37; Dtn 18,15
- Joh 1,21
- Joh 4,17-19
- Joh 4,44
- Joh 6,14
- Joh 7,40
- Joh 9,17
- Stellen zu weiteren prophetischen Gestalten des Urchristentums
- Literaturverzeichnis
Einleitendes
Die Anzahl der Belegstellen, in denen Jesus innerhalb des Neuen Testaments als Prophet bezeichnet wird, ist überschaubar. Im Hinblick auf die Christologie der vier Evangelien ist eindeutig zu sagen, dass keiner der Evangelisten Jesus hauptsächlich als Prophet darstellt. Gerhard Dautzenberg schreibt:
„Auf Grund der schnellen Ausbildung der nachösterlichen Christologie [wurde] das prophetische Jesusbild nicht weiter ausgebaut, [… so dass] nur wenige Versuche [bleiben], Jesus […] als den verheißenen Propheten der Endzeit auszuweisen“ (Dautzenberg 1997, TRE-Art. Propheten/Prophetie. IV. NT & KG I, 504-505).
Häufig dagegen ist in der historischen Jesusforschung die Identitätsbeschreibung, Jesus sei ein Prophet gewesen, anzutreffen. Entsprechend Morna Hooker:
„Even though they [the evangelists] came to believe that Jesus was more than a prophet, they continued to see his words and actions, spoken with the authority of God, as spoken and done in the tradition of the prophets“ (Hooker 1997, signs, 79).
Auch wenn es nach Dautzenberg nur wenige sind, gilt es zunächst trotzdem, diese „Versuche“ aufzulisten.1 Ich berücksichtige nur die Evangelien, darin aber auch diejenigen Stellen, in denen außer Jesus auch andere zeitgenössische Personen als Propheten bezeichnet werden. Referenzen auf alttestamentliche Prophetenworte und ihre Erfüllung sind nicht in die Liste aufgenommen.
Stellen, in denen über Falschpropheten gesprochen wird
Mt 7,15
- SQE 82(, 73), »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen« (Mt 7,15-20; 12,33-35 / Lk 6,43-45)
- Der Gedankengang über die Beweiskraft der Früchte schließt nur bei Mt an ein Prophetenthema an. Jesus warnt vor falschen Propheten in Schafskleidern, die einerseits zwar schlechte Frucht bringen (16-20), andererseits aber im Namen Jesu prophezeien (21-23). Endgültig als Falschpropheten identifiziert werden diese Leute, da sie den Willen des Vaters nicht tun. Die Parallelen in Mt 12,33-35 und Lk 6,43-45 sind nicht mit dem Problem der Falschprophetie konnotiert. Dass Mt 7,15 eine Bezeichnung Jesu als (wahren) Prophet mitschwingen lässt, ist allenfalls möglich, wenn der Leser das so rezipieren möchte.
Mt 24,11.24 / Mk 13,22
- SQE 291, »Warnung vor falschen Propheten« (Mt 24,23-28 / Mk 13,21-23), und SQE 289, »Ankündigung von Verfolgungen« (Mt 24,9-14 / Mk 13,9-13 / Lk 21,12-19)
- Im Kontext der synoptischen Apokalypse verweist Jesus darauf, dass falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen werden, die mit Zeichen und Wundern die Auserwählten verführen wollen (Mt 24,24/Mk 13,22). Mt dupliziert die Warnung vor den Falschpropheten in Mt 24,11. Lk spricht nicht von Falschpropheten. Von der Charakterisierung bei Mt und Mk her auf Jesu prophetische Identität zu schließen, ist allenfalls möglich, wenn der Leser das so rezipieren möchte.
Stellen, die über den Prophetenstatus Johannes des Täufers Auskunft geben
Mt 21,26 / Mk 11,32 / Lk 20,6
- SQE 276, »Frage nach der Vollmacht Jesu« (Mt 21,23-27 / Mk 11,27-33 / Lk 20,1-8)
- Die Pharisäer wollen Jesus gegenüber nicht zugeben, dass sie die Vollmacht Johannes des Täufers für menschlich halten. Sie hätten dann das Volk zu fürchten, das Johannes für einen Propheten hält. Siehe auch Mt 14,5.
Mt 11,9 / Lk 7,26
- SQE 107, »Jesu Zeugnis über den Täufer« (Mt 11,7-11 / Lk 7,24-28)
- Jesus redet zum Volk über den Täufer, bescheinigt ihm, „mehr als ein Prophet“ zu sein“ (V. 9/26), und wendet auf ihn den Spruch aus Mal 3,1 an, der von einem Boten und Wegbereiter vor einer weiteren Person spricht. Dann bezeichnet Jesus Johannes als Größter „unter den von Frauen Geborenen“ (V. 11/28, REB). Bemerkenswert: Die explizite Gleichsetzung von Johannes mit Elia findet sich nur in Mt 11,14.2 Zwar fehlt im lukanischen Kontext der Stürmerspruch (Mt 11,12 / Lk 16,16)3, mit dessen Hilfe Matthäus Johannes als epochalen Wendepunkt charakterisiert hatte, doch ist das Zitat von Mal 3,1 in Kombination mit Lk 1,17 („Er [Johannes] wird vor ihm [Jesus] hergehen in dem Geist und in der Kraft des Elia.“) auch eindeutig: Johannes ist für Lukas der wiedergekommene Elia, mehr als ein Prophet, und dazu noch der Größte unter denen, die von Frauen geboren wurden.
Mt 14,5 (/ Mk 6,17-29)
- SQE 144, »Der Tod Johannes des Täufers« (Mt 14,3-12)
- Die Enthauptung Johannes des Täufers wird erzählt. Johannes war gefangengenommen worden, da er Herodes des Ehebruchs bezichtigt hatte. Interessant: Herodes will Johannes töten, fürchtet aber die Volksmenge, die ihn für einen Propheten hielt. Dagegen der Kontext in Mk 6,17-29 (Parallelstelle): Die Enthauptung Johannes des Täufers wird erzählt. Johannes war gefangengenommen worden, da er Herodes des Ehebruchs bezichtigt hatte. Herodes hört Johannes gern und fürchtet seine Gerechtigkeit und Heiligkeit (kein Prophetentitel!). Herodias hat die Absicht, Johannes zu töten.
Lk 1,76
- »Benedictus des Zacharias« (Lk 1,68-79)
- Der vom heiligen Geist ergriffene Zacharias tritt selbst als Prophet auf (Ζαχαρίας […] ἐπλήσθη πνεύματος ἁγίου καὶ ἐπροφήτευσεν / Zacharias wurde mit dem Heiligen Geist gefüllt und prophezeite, V. 67) und prophezeit seinem Sohn Johannes, dass er ein Prophet des Höchsten genannt werden und als Wegbereiter vor dem Herrn hergehen werde. Zuvor (Lk 1,17) hatte Gabriel bereits Zacharias mitgeteilt, dass diese Wegbereitung (προέρχεσθαι ἐνώπιον αὐτοῦ / vor ihm [dem Herrn] hergehen) im Geist und in der Kraft Elias geschehen werde. Damit antizipiert Lukas eine eindeutige Aussage zur Identität des Johannes für den Leser, anstatt sie – wie Matthäus (Mt 11,14) – im Kontext der Rede Jesu über den Täufer (Lk 7,24-30) zu verorten. Ganz deutlich erkennbar ist in Lk 1,76 die Stufung der Hoheitstitel (Johannes: προφήτης) zugunsten Jesu (κύριος). Auch gegenüber der Bezeichnung Jesu als υἱὸς ὑψίστου / Sohn des Höchsten in Lk 1,32 ist die Abstufung des Johannes in V. 76 deutlich erkennbar.
Stellen, die über den Prophetenstatus von Jesus Auskunft geben
Mt 13,57 / Mk 6,4 / Lk 4,24 / Joh 4,44
- SQE 33(, 139), »Predigt in Nazareth« (Mt 13,53-58 / Mk 6,1-6 / Lk 4,16-30 / Joh 4,44)
- Jesus und seine Lehre werden in seiner Heimatstadt Nazareth abgelehnt. Mit dem Spruch „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und in seinem Haus.“ lässt Matthäus Jesus unzweifelhaft das soeben Geschehene kommentieren: Seine Vaterstadt nimmt an ihm, dem Propheten, der eigentlich Ehre verdient hätte, Anstoß. Markus fügt noch ein „καὶ ἐν τοῖς συγγενεῦσιν αὐτοῦ / und unter seinen Verwandten“. Lukas legt den Fokus nicht auf die entbehrte Ehre, sondern auf alle Vaterstädte, die die von ihnen hervorgebrachten Propheten als unangenehm empfinden.4 Der dritte Evangelist betont allerdings noch zusätzlich, dass Jesus davon ausgeht, der Heilige Geist ruhe auf ihm (Lk 4,18.21).5 Der Evangelist Johannes berichtet in Joh 4,44, „Jesus selbst bezeugte, dass ein Prophet im eigenen Vaterland kein Ansehen hat.“ – allerdings ohne Reflex auf Jesu eigenen Person. So wird Jesus in den synoptischen Evangelien zwar indirekt und sentenzenhaft 6, aber explizit als Prophet bezeichnet. Es entspricht allerdings dem christologischen Urteil der Evangelisten, dass diese Aussage aus dem Mund Jesu unkommentiert bleibt.
(Mt 14,1-2 /) Mk 6,15 / Lk 9,8
- SQE 143, »Jesus im Urteil des Herodes und des Volkes« (Mt 14,1-2 / Mk 6,14-16 / Lk 9,7-9)
- In allen Varianten hört Herodes von Jesus. Nur bei Mk und Lk werden Volksmeinungen referiert, darunter, dass Jesus ein Prophet sei „wie einer der Propheten“ (Mk 6,15) bzw. dass „einer der alten Propheten auferstanden sei“ (Lk 9,8). Geläufig ist auch die Meinung, Jesus sei Elia oder der auferstandene Johannes. Herodes urteilt bei Mt und Mk im Sinne der letzten These; bei Lk ist Herodes beunruhigt, weil er Jesu Identität nicht durchschaut, und begehrt, ihn zu sehen.
Mt 16,14 / Mk 8,28 / Lk 9,19
- SQE 158, »Das Petrusbekenntnis« (Mt 16,13-20 / Mk 8,27-30 / Lk 9,18-21)
- Jesus stellt die das Petrusbekenntnis vorbereitende Frage, wer er bzw. der Menschensohn sei. Die Jünger referieren hier die Volksmeinung, Jesus sei „Johannes der Täufer“, „Elia“, „Jeremia“ (nur Mt) oder „einer der (alten [Lk]) Propheten“. Als Jesus die Jünger nach ihrer Meinung fragt, bekennt ihn Petrus als Christus.
Mt 26,68 / Mk 14,65 / Lk 22,64
- SQE 332, »Jesus vor dem Hohen Rat« (Mt 26,67-68 / Mk 14,65 / Lk 22,63-65)
- Die Szene, dass Jesus geschlagen wird, ist unterschiedlich eingebettet. Bei allen Synoptikern fordern die Peiniger Jesus auf, zu prophezeien („προφήτευσον“). Mk hat hier keine erläuternde Erweiterung; Mt und Lk ergänzen: „Wer ist es, der dich schlug?“ Hier ist zu urteilen, dass die Volksmeinung spöttisch aufgenommen wird.
Mt 12,39.41 / Lk 11,32
- SQE 119(, 191), »Das Zeichen des Jona« (Mt 12,38-42; 16,1-4 / Mk 8,11-12 / Lk 11,16.29-32 / Joh 6,30)
- Jesus lehnt die Zeichenforderung ab. Wer die Zeichenforderung stellt, wird verschieden überliefert. Im passivum divinum drückt Jesus aus, dass es kein Zeichen geben wird: „es wird kein Zeichen gegeben werden“ (Mt 12,39; 16,4 / Mk 8,12 / Lk 11,29) „als nur das Zeichen Jonas“ (Mt 12,39; 16,4 / Lk 11,29) „des Propheten“ (Mt 12,39). Damit ist die Prophetenidentität des Jona nur bei Mt explizit hervorgehoben. Wenn Jesus dann in Mt 12,41 / Lk 11,32 im Hinblick auf sich selbst bemerkt, „πλεῖον Ἰωνᾶ ὧδε / hier ist mehr als Jona“, klingt das Prophetische beim Namen Jona nur noch schwach mit. Es dient ohnehin nur noch als Vergleichsgröße. Jesus meint, er übertreffe Jona, so wie er „mehr als Salomo“ sei (Mt 12,42 / Lk 11,31). Nebenbei bemerkt: Diese Stelle ist hinsichtlich ihres Gedankens zu vergleichen mit Mt 11,9 / Lk 7,26, worin Jesus Johannes bescheinigt, er sei „περισσότερος προφήτου / mehr als ein Prophet“.
Mt 23,29-39 / Lk 13,31-35
- SQE 284, »Rede gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten« (Mt 23,29-36 / Lk 11,47-51); SQE 285, »Wehklage über Jerusalem« (Mt 23,37-39 / Lk 13,34-35); SQE 212, »Warnung vor Herodes« (Lk 13,31-33)
- In der letzten Passage der Pharisäer-Weherede in Mt 23,29-36 wird die geistige Elite Israels (Schriftgelehrte und Pharisäer) bezichtigt, sich gegenüber ihren Vätern, den Prophetenmördern, absetzen zu wollen, aber im Begriff zu sein, das Maß voll zu machen: Jerusalem „tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind“ (Mt 23,37 / Lk 13,34).
Obwohl Jesus nicht explizit in der Tradition der Propheten, die getötet wurden, eingeordnet wird, lassen zwei Beobachtungen beim Matthäustext die Vermutung einer Kontinuität der Getöteten zu Jesus zu: a) Die Väter der Pharisäer waren Prophetenmörder, die Pharisäer sollen das Maß nun „voll machen“ (nicht in der lukanischen Parallele). b) Gerade Mt 23,34.37 lassen an das Gleichnis von den ungerechten Weinbauern denken, in dem sich Gott (im Bild der Weinbergbesitzer) um ein intaktes (Geschäfts-)Verhältnis zu seinem Volk (im Bild die Weinbauern) bemüht und zu diesem Zweck nach „Propheten, Weisen und Schriftgelehrten“ als letzten Vermittler seinen Sohn sendet. Bei Lukas nötigt sich dieser Gedanke nicht so stark auf, da die entsprechenden Parallelverse (Lk 11,49 und 13,34) nicht in direktem Kontext stehen. Bei beiden wird Jesus zwar weder als Prophet noch als Sohn Gottes identifiziert, jedoch stellt er sich mit der Aussage, er habe „die Kinder Jerusalems versammeln“ wollen (Mt 23,37; Lk 13,34), in ein analoges Verhältnis zu denen, die zu Jerusalem gesandt wurden. Die Ankündigungen gegen Jerusalem und die Rolle Jesu bleiben jedoch so offen, dass keine direkten Schlüsse für Jesu Identität gezogen werden können. In der lukanischen Parallele zur Pharisäer-Weherede wird der Vorwurf des Prophetenmordes allgemein im Kontext eines Pharisäer-Gastmahls erhoben; Indizien für einen Zusammenhang mit dem Schicksal Jesu gibt es nicht.
Griffiger ist die Komposition in Lk 13,31-35. In fünf eigenwilligen Gedanken äußert sich Jesus über sich selbst: a) Er nimmt Exorzismen vor und heilt. Dies tut er „heute“, „morgen“ und „am dritten/folgenden Tag“ (V. 32).7 b) Der dritte Tag ist das Datum seiner Vollendung (τελειοῦμαι). c) Zur karitativen Tätigkeit kommt während dieser drei Tage für Jesus die Pflicht hinzu (δεῖ με), nach Jerusalem zu wandern, denn „οὐκ ἐνδέχεται προφήτην ἀπολέσθαι ἔξω Ἰερουσαλήμ / es geht nicht an, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme“ (V. 33). Im gleichen sentenzenhaften Duktus wie in Lk 4,24 lässt Lukas Jesus somit sich selbst als Prophet bezeichnen. Assoziativ verknüpft mit diesem Gedanken ist die folgende Klage über das prophetenmordende Jerusalem, das diejenigen steinigt, die zu ihm gesandt sind. Die Klage bleibt aber nicht allgemein auf „die Propheten“ bezogen: d) In V. 34b nimmt Jesus deutlicher auf sein eigenes Gesandtsein Bezug: Er hat die Jerusalems Kinder sammeln wollen und begibt sich damit in die Reichweite der Stadt, die die Propheten tötet. Damit wäre implizit ausgesagt, dass Jesus das Martyrium erwartet, das als Prophetenschicksal gilt. Lässt sich aufgrund dieser „Aufgabenbeschreibung“ eine Schlussfolgerung auf die Identität schließen? e) Die letzte Aussage über Jesu Identität ist anhand der Begrüßung zu erschließen, mit der Jesus nach einer Zeit begrüßt werden wird, in der er nicht sichtbar sein wird: Mit dem Zitat von Ps 118,26 wird traditionell der Messias begrüßt.
Wie in der Mt-Parallele ist es auch bei Lk 13,31-35 nur aufgrund des Mikrokontextes möglich, Jesus eine prophetische Identität zuzuschreiben. Dies jedoch ist zweifach gestützt, da a)-c) die allgemein gehaltene, sprichwortartige Begründung auf Jesus hin personalisiert und d) die allgemein gehaltene Klage über das prophetenmordende Jerusalem zu einer (tödlichen) Angelegenheit für Jesus werden lässt. Mit e) wird allerdings die prophetische Identitätszuschreibung sogleich ergänzt (Missiasbegrüßung) und somit auch relativiert.
Mt 21,11.46
- SQE 271, »Tempelreinigung« nach Mt (Mt 21,10-17 / Mk 11,11.15-17 / Lk 19,45-46); SQE 278, »Gleichnis von den Weingärtnern« (Mt 21,33-46 / Mk 12,1-12 / Lk 20,9-19)
- Jesus ist gerade in Jerusalem eingezogen, und „die Stadt erregte sich“, wie allein Matthäus berichtet. Auf die Frage „der Stadt“ nach Jesu Identität antwortet die Volksmenge, Jesus sei der Prophet aus Nazareth in Galiläa. In Mt 21,46 bezeugt wiederum allein Matthäus den gleichen Gedanken: Alle synoptischen Evangelisten berichten, dass die Hohenpriester und Pharisäer, durch das Gleichnis gereizt, zwar Jesus ergreifen wollen, aber das Volk fürchten. Matthäus vermerkt: Das Volk hielt Jesus für einen Propheten.
Lk 7,16
- SQE 86, »Der Jüngling von Nain« (Lk 7,11-17)
- Nach der Auferweckung des Jünglings bezeichnet die lobpreisende Menge Jesus als „großen Propheten“ und kommt zum gleichen Urteil wie der geisterfüllte und prophezeiende Zacharias angesichts der Geburt des Johannes: „ἐπεσκέψατο ὁ θεός τὸν λαὸν αὐτοῦ / Gott hat sein Volk angesehen“ (Lk 1,68; 7,16).
Lk 7,39
- SQE 114(, 267, 306), »Die Salbung in Bethanien« / »Jesus und die Sünderin« (Mt 26,6-13 / Mk 14,3-9 / Lk 7,36-50 / Joh 12,1-8)
- Jesu wird nach Lukas während eines Symposions im Haus des Pharisäers Simon durch eine Sünderin an den Füßen gesalbt. Die anderen Varianten der Geschichte gehen von einer Kopfsalbung mit teurem Öl am Vorabend der Passion aus. Nur bei Lukas wird auf Jesu scheinbare Prophetenidentität angespielt, an die Simon denkt: Nachdem er Jesus in Gedanken vorgeworfen hat, hinter seinem Ruf, ein Prophet zu sein, zurückzubleiben, überrascht ihn Jesus mit einem Gleichnis, in welchem Jesus den Vorwurf, den sündigen Status der Sünderin zu verkennen, indirekt aufnimmt. Aufsehen erregt Jesus bei den Gästen allerdings nicht durch die passende Entgegnung, sondern weil er der Sünderin ihre Sünden vergibt.
Lk 24,19.21
- SQE 355, »Jesus erscheint zwei Jüngern auf dem Weg nach Emmaus« (Lk 24,13-35)
- Die Emmausjünger klären ihren Begleiter über die Vorgänge in Jerusalem auf. Kleopas und sein Freund benennen dem Fremden gegenüber Jesus als den Nazarener, „ὃς ἐγένετο ἀνὴρ προφήτης δυνατὸς ἐν ἔργῳ καὶ λόγῳ ἐναντίον τοῦ θεοῦ καὶ παντὸς τοῦ λαοῦ / der ein prophetischer Mann war, machtvoll in Taten und Worten vor Gott und dem ganzen Volk“ und formulieren ihre vorösterliche Erwartung, er sei „ὁ μέλλων λυτροῦσθαι τὸν Ἰσραήλ / der kommt, um Israel zu erlösen“. Diese Stelle ist deswegen besonders aufschlussreich, weil hier nicht nur eine vorösterliche Volksmeinung, sondern eine Jüngermeinung referiert wird.
Apg 3,22-23; 7,37; Dtn 18,15
- Kontext: Nachdem Petrus einen Lahmen geheilt hat, spricht er in der Halle Salomos zum Volk.
- Die Prophetenbezeichnung für Jesus fällt zweimal im Kontext eines Zitats von Dtn 18,15.18.19 (V. 22-23); in der direkten Rede des Petrus wird Jesus als ἅγιος καὶ δίκαιος / „Heiliger und Gerechter“, als ἀρχηγὸς τῆς ζωῆς / „Begründer des Lebens“ (V. 14-15), sowie als παῖς / „Diener, Sklave“ (V. 26) bezeichnet. Dtn 18,15 wird nochmals in Apg 7,37 von Stephanus zitiert, allerdings ohne direkten Reflex auf Jesus. Am Schluss seiner Rede werden die Zuhörer als Verräter und Mörder „τοῦ δικαίου / des Gerechten“ (V. 52) gebrandmarkt.
Joh 1,21
- Kontext: »Das Zeugnis des Täufers über sich selbst« (Joh 1,19-28)
- Jerusalemer Pharisäer schicken Priester und Leviten, um Johannes über seine Identität auszufragen. Johannes bekennt, nicht der Christus, nicht Elia und nicht der Prophet zu sein (V. 20-21). Die einzige Identitätsbeschreibung, die Johannes im Hinblick auf sich selbst gibt, ist, Wassertäufer zu sein. Gleich danach konfrontiert Johannes die Fragenden: „mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt, …“
Joh 4,17-19
- Kontext: »Jesu Gespräch mit der Samariterin« (Joh 4,3-26)
- Nachdem Jesus zutreffend über die fünf Männer der Samariterin gesprochen hat, meint sie, ihn als Prophet zu erkennen (V. 19). Nach der folgenden Debatte über die wahre Anbetung offenbart sich Jesus ihr jedoch als Christus.
Joh 4,44
- Kontext: Itinerar von Sychar ins galiläische Kana, von wo aus Jesus den königlichen Beamten in Kapernaum heilt (Joh 4,43-46)
- Der Evangelist berichtet, Jesus habe das Sprichwort vom Propheten, der im eigenen Vaterland kein Ansehen hat, bezeugt. Das Sprichwort sperrt sich jedoch gegen den Kontext, da bei Johannes nicht klar ist, a) warum er dann gerade nach Galiläa geht, und b) was eigentlich Jesu Vaterstadt ist.
Joh 6,14
- Kontext: Speisung der 5000 (Joh 6,1-15)
- Nach der Speisung bekennt das Volk, Jesus sei „wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.“ Jesus will jedoch nicht zum König gemacht werden und zieht sich zurück.
Joh 7,40
- Kontext: Meinungen des Volkes und des Hohen Rates über Jesus nach Auseinandersetzungen beim Laubhüttenfest (Joh 7,15-53)
- Einige Zuhörer aus dem Volk erkennen Jesus als Prophet, andere meinen, er sei Christus. Am Christustitel entzündet sich die Debatte. Sie wird anhand der Frage nach Jesu Herkunft im Sinne der Pharisäer entschieden: Aus Galiläa kommt kein Prophet. Daher – so darf man schlussfolgern – ist Jesus in den Augen der Pharisäer weder Prophet noch Christus.
Joh 9,17
- Kontext: Heilung des Blindgeborenen und Pharisäerdisput darüber, wer Sünder ist (Joh 9,1-41)
- Im Verhör durch die Pharisäer äußert der Blindgeborene seine Meinung, Jesus sei ein Prophet. „Wenn dieser nicht von Gott wäre, so könnte er nichts tun“, lautet der Satz (V. 33), aufgrund dessen er hinausgeworfen wird. Jesus findet den Blindgeborenen und stellt sich ihm als Sohn des Menschen vor. Der Blindgeborene glaubt an ihn und vollzieht die Proskynese.
Stellen zu weiteren prophetischen Gestalten des Urchristentums
- Lk 2,36 spricht von der Prophetin Hanna.
- Apg 11,27: Dieser Vers belegt gemeinsam mit Apg 13,1; Apg 15,32 und Apg 21,9-10, dass Lukas prophetische Tätigkeiten in den Gemeinden kennt. Inwieweit diese in einem Amt institutionalisiert sind oder sich pneumatologisch-spontan ereignen, ist aufgrund von 19,6 nicht klar zu sagen.
Literaturverzeichnis
- Dautzenberg, Gerhard: Art. Propheten/Prophetie, in: TRE 27, 1997, 503–511.
- Hooker, Morna: The signs of a prophet. The prophetic actions of Jesus, London 1997.
- Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matthäus, 2. Teilband Mt 8-17 (EKK I/2), Neukirchen-Vluyn 42007.
Letzte Aktualisierung: 20. Mai 2014, Stephan Rehm.
- Zugrunde liegt eine Suche in den Büchern des Neuen Testaments anhand der griechischen Morphologie der Stuttgarter Elektronischen Studienbibel nach den Lemmata προφήτης, προφητεία, προφητεύω, προφητικός, προφῆτις sowie ψευδοπροφήτης, die 197 Treffer erbrachte. ↩
- Wenn das Volk Johannes schon nicht für etwas Größeres als einen Propheten hält, so doch wenigstens für einen Propheten. Bezeichnet Jesus Johannes in Mt 11,9 / Lk 7,26 als „mehr als ein Prophet“, so ist aber zu lesen (Mt 11,13 / Lk 16,16), dass das prophetische Prophezeien bis Johannes (inklusiv!) reiche, ab Johannes aber mit dem Himmelreich ein Neues angebrochen sei. So explizit Matthäus 11,14 die Besonderheit des Johannes darin ausweist, dass er im Mittelpunkt einer epochalen Wende steht und als der wiedergekommene Elia anzusehen ist, so deutlich kann eine Stufung zwischen den Würdetiteln von Johannes und Jesus ausgedrückt werden, die den Prophetentitel eindeutig hinter sich lässt: „Johannes ist der wiedergekommene Elija. … Israel steht vor der Entscheidung, ob es ihn annehmen will. Die matthäische Geschichte wird zeigen, daß es Johannes, seinen Elija, und den Menschensohn Jesus, seinen Messias, ablehnen wird“ (Luz 2007, Mt-Kommentar TB 2, 180, zur Passage). ↩
- Der Stürmerspruch, den Matthäus (Mt 11,12) im direkten Kontext zur Erörterung der Täuferidentität (11,7-15) in seine Argumentation einflicht, wird von Lukas an gänzlich anderer Stelle (Lk 16,16) – isoliert von der Täuferproblematik – im Zusammenhang mit der Situation präsentiert, dass Jesus sich mit geldliebenden und höhnenden Pharisäern auseinandersetzen muss (16,14-15). Letztlich geht es bei Lukas um eine Ortsbestimmung der Pharisäer zwischen dem Gesetz (und den Propheten) einerseits, die nicht vergehen (V. 17), und dem Gottesreich andererseits, das Gewalttätige an sich reißen. Da diese Sachproblematik gegeben ist, würde man der lukanischen Passage mit der Frage nach der Täuferidentität eine Antwort abringen, die nicht im Text angelegt ist. ↩
- „Oὐδεὶς προφήτης δεκτός ἐστιν ἐν τῇ πατρίδι αὐτοῦ. / Kein Prophet ist angenehm in seiner Vaterstadt.“ ↩
- Indem Jesus die Erfüllung des in V. 18-19 zitierten Schriftwortes 3Mo 25,10; Jes 61,1-2 für sich reklamiert (V. 21), klingt im Gedächtnis des Lesers noch V. 18 nach, worin explizit auf den Geistbesitz hingewiesen wird. ↩
- Luz 2007, Mt-Kommentar TB 2, 385, listet in Anm. 16 Belege auf, die erweisen sollen, dass Jesus zu den Nazarenern mit Worten „eine{r} geläufige{n} Erfahrung oder sogar Sentenz“ spricht. ↩
- Diese Formulierung erinnert an die zeichenhaften drei Tage des Propheten Jona (Mt 12,40). Bei Lukas wird das Zeichen des Jona aber an der betreffenden Stelle (Lk 11,29-32) nicht explizit auf drei Tage hin gedeutet; Jona selbst (und in Analogie Jesus) ist das Zeichen. ↩