Historisches zum Neuen Testament

Eine Kurzdarstellung

Das Neue Testament ist der zweite Teil der Heiligen Schrift der Christen, seitdem Athanasius im 4. Jh. alle 27 enthaltenen Bücher in einem Brief als verbindliche Schriften aufgezählt hat und dieses Votum allgemein Zustimmung fand. Davor steht ein komplexer historischer Prozess: Politisch-religiöse Gegebenheiten provozieren entsprechende Reaktionen, die Geschichte wird von starken Persönlichkeiten in Schlüsselpositionen charakteristisch geprägt. Besondere Ereignisse um die Person Jesus von Nazareth führen dann dazu, dass inmitten gerade der geschichtlichen Vorgänge des 1. Jahrhunderts in Palästina das Neue Testament entsteht. Unter welchen historischen Bedingungen entsteht das Christentum und das Neue Testament als Dokument der Ersten Stunde?

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Politisches

Infolge der Ereignisse in den zwei letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende ist das Judentum Palästinas im 1. Jahrhundert in verschiedene religiöse Gruppen gespalten:

  • Die politisch angepasste Partei der Tempelaristokratie, die Sadduzäer, leben in Wohlstand;
  • einfache, politisch neutrale Handwerker, die sich als Pharisäer bezeichnen, versuchen, in rechter Tora-Auslegung ein frommes Leben zu führen.
  • Seitdem der Freiheitskämpfer Jonatan 152 v. Chr. das Amt des Hohenpriesters usurpierte, gibt es mit den Essenern eine auf religiöse Unbefleckheit bedachte und entsprechend abgesonderte Oppositionspartei, deren Wirken wir die Qumranfunde verdanken.

Seit der Machtübernahme im Jahr 63 v. Chr. leidet die Bevölkerung unter der römischen Besatzung, vor allem im Hinblick auf die religiöse Identität, die beispielsweise der Feldherr Pompeius mit Füßen tritt, indem er als Heide das Allerheiligste des Jerusalemer Tempels betritt. Dies weckt kollektive Erinnerungen an die Syrische Religionskrise 167 bis 164 v. Chr. und wird im Jahr 41 wiederum aktuell, als Kaiser Caligula den Tempel zu einer Kaiserkult-Stätte umwandeln will. Die Lokalherrscher Palästinas sind um einen Ausgleich zwischen Rom und den jüdischen Interessen bemüht: Herodes der Große beispielsweise lässt den Tempel prunkvoll restaurieren, hinterlässt aber nach seinem Tod im Jahr 4 v. Chr. aufgrund seiner Intrigen gegen die eigene Familie ein geteiltes Reich mit politischem Sprengstoff: Sein previligierter Sohn Archelaos wird nach nur 12 Jahren Herrschaft wegen seiner Grausamkeit und Untauglichkeit verbannt, so dass die Römer in Judäa wieder die Herrschaft direkt ausüben – diesmal durch Präfekte, die – wie Pilatus – vor besonderen Grausamkeiten nicht zurückschreckten.

  • Als der syrische Provinzstatthalter Quirinius im Jahr 6 eine Volkszählung zu Steuerzwecken durchführen lässt, formieren sich die Zeloten als bewaffnete Widerstandskämpfer.
  • Anders reagieren auf diese Situation die Zeichenpropheten: Einzelne Charismatiker, die im Zeitraum vom Jahr 6 bis zum Jahr 66 auftreten, scharen Anhänger um sich, um im Rückgriff auf alte Heilsbilder Israels (z. B. der Exodus unter Mose bzw. die Teilung des Jordan für Josua) Heil für Judäa auszurufen. Alle werden getötet.

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Jesus – und was danach geschah

Auch Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth lassen sich als Zeichenpropheten verstehen. Beide sind zutiefst misstrauisch gegenüber der etablierten Heilsinstitution, dem Tempel. Nachdem Johannes aufgrund ethischer Kritik an Herodes Antipas hingerichtet wurde, verkündet Jesus die angebrochene Gottesherrschaft und steht dafür mit Worten, Taten und seinem Leben ein. Angesichts seiner Kreuzigung scheinbar gescheitert, bezeugen seine Anhänger allerdings zwei Tage nach seinem Tod, dass sich eine Auferweckung ereignet habe: Jesus lebe, sei ihnen erschienen und nach 40 Tagen entrückt worden. Dadurch angesteckt und durch lokale Verfolgungen der Christusgläubigen von konservativ-jüdischer Seite (z. B. durch Agrippa I., Herrscher über Judäa 41 bis 44) begünstigt, ereignet sich ein Missionszug ungeahnten Ausmaßes: Schon 15 bis 20 Jahre nach diesen Schlüsselereignissen um Jesus von Nazaret weist Kaiser Claudius Juden aus Rom aus, die sich einem gewissen „Chrestus“ zugehörig fühlen. Es ist vor allem der Völkermissionar Paulus, der in den Jahren 48 bis 60 versucht, unter den Gegebenheiten der Zeit an möglichst vielen Stellen für Juden und Nichtjuden die gute Nachricht von Jesus zu verkünden: Jesus sei Gott und habe die Welt mit Gott versöhnt, so dass die Menschen ewig und in Gemeinschaft mit Gott leben könnten. Im ganzen römischen Reich entstehen christliche Gemeinden, die sich in der Folgezeit herausgefordert fühlen, auch nach dem Enthusiasmus der ersten Generation Lehre und Bedeutung der Ereignisse um 30 weiterhin plausibel zu kommunizieren. Das wurde dadurch besonders erschwert, dass die eigentlich versprochene Wiederkunft Christi ausblieb, und dass der Anteil der christusgläubigen Nichtjuden im Vergleich zu den christusgläubigen Juden größer wurde. Der endgültige Bruch mit dem Judentum wurde im Jahr 70 mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem eingeleitet, da dieses Ereignis Juden wie Judenchristen die existentielle Grundlage der Religiosität entzog: Von nun an fehlte das Bindeglied zwischen dem von einem Kultort unabhängigen Christentum und dem Judentum, welches sich seitdem vor allem über die konservative Tora-Auslegung identifzierte. Wurden die Juden zunehmend aus Judäa verbannt, so sahen sich die Christen, die nun in den Augen der Römer nicht mehr als religiöser Ableger des Judentums, sondern als eigenständige Religion wahrgenommen wurden, bald den Bestrebungen der Flavier und weiterer Kaiser gegenüber, das Römische Reich durch den Kaiserkult religiös zu einen. Zunehmend groß angelegte Verfolgungen und die Auseinandersetzung mit Anfragen aus der griechischen Philosophie waren bis zum Anfang des vierten Jahrhunderts die Rahmensituation, in der die Geschichte des Christentums weiter geschrieben wurde.

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Ressourcen

Mehr Historisches Hintergrundwissen findest du unter dem Stichwort »Neutestamentliche Zeitgeschichte« (www.bibel-faq.net/nt-zg – klick!).

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Letzte Aktualisierung: 18. März 2014, Stephan Rehm.

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