Eckdaten (Zeit, Ort, Personen) 
Johannes
Das Buch nennt selbst als Autor den Seher Johannes (1,1.4.9; 22,8), was wohl der echte Name des Offenbarungsempfängers ist.
Ist der Seher „Johannes“ der Zebedaide Johannes aus dem Zwölferkreis (so Justin)?
- Offb blickt auf Apostel als geschlossene Größe zurück (18,20; 21,14; vgl. 2,2) → der Autor zählt sich nicht zu den Aposteln
- Aloger schrieben Offb (+ Joh) dem Erzketzer Kerinth zu
- die altehrwürdige Tradition vertritt keine apostolische Verfasserschaft!
Ist der Seher „Johannes“ der Verfasser des JohEv (so Irenäus)?
- Widerspruch dagegen schon seit 3. Jh.
- große Unterschiede zum johannischen Schriftenkreis in Sprache und Stil
- die Offb wird nur von wenigen zur johanneischen Schule gezählt
Fazit: möglicherweise ein nach 70 in Kleinasien eingewanderter Judenchrist (Jürgen Roloff)
- kennt die Adressatengemeinden gut
- „Bruder & Mitgenosse in der Bedrängnis“ (1,9)
Zeit & Ort
- Visionsempfang auf der Insel Patmos (1,9: Verbannung? Mission + Gemeindeleitung?)
- Niederschrift aber nicht mehr dort (1,9: Aorist!)
Fazit: wahrscheinlich Abfassung in Kleinasien zur Zeit der domitianischen Verfolgung (92 [Ausrufung des Kaiserkults durch Domitian] – 96 [Tod Domitians])
Adressaten
Umstände 
Johannes spricht in der selbstverständlichen Erwartung, bei den Angeredeten Gehör zu finden – so als ob er eine Autorität voraussetzen könnte.
- Nirgends finden sich aber Hinweise darauf, dass Johannes in ein Amt eingebunden wäre.
- Nur auf Apostel und Propheten nimmt er Bezug, wobei die Zeit der Apostel längst zurückliegt: Die Namen der Zwölf Apostel sind die Grundsteine, auf denen das Neue Jerusalem erbaut ist (21,14).
- Hingegen reflektiert er in 10,1-11 unter Einbindung seiner Person ausführlich über das Prophetenamt.
Könnte es sein, dass „Johannes vermutlich das führende Glied einer Gruppe von Propheten war, die ihren Auftrag darin sah, mit dem ihnen anvertrauten Zeugnis direkt in die Gemeinden hineinzuwirken“1? Die Sprache und Gedankenwelt des Buches legt es nahe anzunehmen, dass die Prophetenschule des Johannes vom palästinischen Judenchristentum herkommt.
- Möglicherweise sind in 11,1-13 Erfahrungen aus dem jüdischen Krieg 69/70 verarbeitet, der die Judenchristen veranlasst hatte, nach Kleinasien auszuwandern.
- Für die Jahre 70-90 ist in den Adressatengemeinden ein steigender judenchristlicher Einfluss nachweisbar.
Ziel(e) 
Johannes will „den Gemeinden klar machen, was es für sie bedeutet, daß Christus der Herr der Geschichte ist: Es gilt für sie, …
- ihren gegenwärtigen Standort innerhalb der von Christus umgriffenen, auf seine sichtbare Selbstdurchsetzung hinlaufenden Geschichte zu erkennen,
- ihren geschichtslosen Individualismus, ihr mattes Gewohnheitschristentum und ihre sittliche Lauheit zu überwinden
- und die auf sie zukommende kritische Situation in Gehorsam und Verantwortung gegenüber dem wiederkommenden Herrn zu bestehen.“2
Anlass 
Der religiös-ideologische Totalitätsanspruch vonseiten des römischen Staates steigerte sich über das erste Jahrhundert hin zum Kaiserkult. Angesichts dieser Situation wird Johannes aktiv:
- Augustus (-27 bis 14) förderte die Verehrung des toten Caesar, um ein übergreifendes Band zur Stiftung einer einheitlichen Identität im römischen Staat zu haben
- Caligula (37-41) & Claudius (41-54) verlangen für sich selbst göttliche Ehren
- ab 85 nennt sich Domitian (81-96) „dominus et deus noster“ (Sueton, Dom 13,2); ab 92 will er den Kaiserkult planmäßig und umfassend proklamieren → Kleinasien (geschichtlich bereits vorbelastet) wird zum Zentrum des Kaiserkults → bei Widerstand musste mit Repressalien gerechnet werden (Plinius Ep 10)
- (mindestens) in Ephesus wird ein Domitiantempel oder andere Institutionen des Kaiserkults errichtet
- (mindestens) in Pergamon war es schon zur (lokalen) Verfolgung gekommen → Martyrium des Antipas (2,13; 6,9; 17,6)
Linearer Zugang / Aufbau 
| 1 | 1,1-3 | Vorwort: Offenbarung Jesu Christi |
| 1,4-8 | Brieflicher Anfang: Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien | |
| 1 – 3 |
Die sieben Sendschreiben (1,9 – 3,22) |
|
| 1,9-20 | Beauftragungsvision: „Was du siehst, das schreibe auf …“ | |
| 2 – 3 | Die sieben Sendschreiben | |
| 2 | 2,1-7 | Ephesus: ohne „erste Liebe“ |
| 2,8-11 | Smyrna: arm & bedrängt → sei treu! | |
| 2,12-17 | Pergamon: Duldung der Nikolaiten → büße! | |
| 2,18-29 | Thyatira: Halte, was Du hast! | |
| 3 | 3,1-6 | Sardes: scheinbar vital, aber eigentlich tot |
| 3,7-13 | Philadelphia: Verheißung, dass sich eine Tür öffnen werde | |
| 3,14-22 | Laodicea: Lauheit vorgeworfen, Züchtigung geplant | |
| 4 – 7 |
1. Geschichtsteil Jesus Christus – der Herr über die Geschichte (4,1 – 8,1) |
|
| 4 – 5 |
Die Thronsaalvision (4,1 – 5,14) |
|
| 4 | 4,1-11 | Erscheinung und Anbetung Gottes im Thronsaal |
| 5 | 5,1-14 | Übergabe des versiegelten Buches an das Lamm |
| 6 – 7 |
Die Sieben-Siegel-Visionen (6,1 – 8,1) |
|
| 6 | 6,1-8 | Öffnung des 1.-4. Siegels durch das Lammm → apokalyptische Reiter |
| 6,9-11 | Öffnung des 5. Siegels → Märtyrer erhalten weißes Gewand | |
| 6,12-17 | Öffnung des 6. Siegels → Tag des Zornes Gottes auf der Erde | |
| 7 | 7,1-17 | Schauung der Bewahrung der 140.000 Versiegelten |
| 8,1 |
Öffnung des 7. Siegels → Auswirkungen im Himmel
|
|
| 8 – 14 |
2. Geschichtsteil, erster Aspekt Plagen, teuflischer Aufstand & Ausblick (8,2 – 11,19) |
|
| 8 – 11 |
Die Sieben-Posaunen-Visionen (8,2 – 11,19) |
|
| 8 | 8,2-6 | Vorbereitung |
| 8,7-13 | Die 1.-4. Posaune (Wirkungen betreffen Erde, Meer, Quellen & Gestirne) | |
| 9 | 9,1-12 | Die 5. Posaune (Skorpionenheuschrecken aus der Unterwelt) → Menschen wollen erfolglos sterben |
| 9,13-21 | Die 6. Posaune (Euphratengel mit Reiterheeren) → 1/3 der Menschen sterben | |
| 10 | 10,1-11 | Der Auftrag der Prophetie im Rahmen des Endgeschehens |
| 11 | 11,1-14 | Die Vermessung des Tempels und die beiden Zeugen |
| 11,15-19 |
Die 7. Posaune: Herrschaftsantritt Gottes
|
|
| 12 – 14 |
Der Aufstand der widergöttlichen Mächte (12,1 – 14,20) |
|
| 12 | 12,1-18 | Die Frau, der Drache und das Kind |
| 13 | 13,1-10 | Das Tier aus dem Meer und seine Macht |
| 13,11-18 | Das Tier von der Erde und seine delegierte Macht | |
| 14 | 14,1-13 | Das Lamm, die 144.000 und die drei Engel |
| 14,14-20 | Ernte & Weinlese | |
| 15 – 20 |
2. Geschichtsteil, zweiter Aspekt Plagen, Gericht & Sieg (15,1 – 20,15) |
|
| 15 – 16 |
Die Sieben-Schalen-Visionen (15,1 – 16,21) |
|
| 15 | 15,1-8 | Vorbereitung |
| 16 | 16,1-9 | Die 1.-4. Schale (Auswirkungen betreffen Erde, Meer, Quellen & Gestirne) |
| 16,10-11 | Die 5. Schale (Verfinsterung des Tier-Reiches) → Menschen lästern anstatt zu büßen | |
| 16,12-16 |
Die 6. Schale (Euphratwasser vertrocknet)
|
|
| 16,17-21 | Die 7. Schale: Naturkatastrophen auf der Erde → Gotteslästerung | |
| 17 – 19 |
Der Vollzug des Gerichts an der gottfeindlichen Stadt (17,1 – 19,10) |
|
| 17 | 17,1-18 | Die Hure Babylon und das Tier (17,9-14 identisch mit 12,3-4?) |
| 18 | 18,1-24 | Ankündigung des Gerichts über die große Stadt (Himmelsgeschehen) |
| 19 | 19,1-10 | Hymnischer Lobpreis (finales Himmelgeschehen) |
| 19-20 |
Sieg über die bösen Mächte & Weltgericht (19,11 – 20,15) |
|
| 19,11-32 | Wiederkunft Jesu als Weltrichter | |
| 20 | 20,1-10 | Tausendjähriges Reich & Vernichtung des Satans |
| 20,11-15 | Weltende, Totenauferstehung, allgemeines Weltgerecht | |
| 20 – 22 |
Die neue Welt Gottes (21,1 – 22,5) |
|
| 21 | 21,1-8 | Gottes neues Schöpfungshandeln (himmlisches Jerusalem) |
| 21,9 – 22,5 | Beschreibung der vollendeten Heilsgemeinde (Heilung der Nationen durch Gottesgemeinschaft & Bezug zu Jerusalem) | |
| 22 | Buchschluss | |
| 22 | 22,6-20 | Schalenengel, Gott und Jesus sprechen abwechselnd (13.16a: Selbstvorstellungen) |
| 22,21 | Briefschluss: Charisformel | |
Thematischer Zugang 
Versuch einer Deutung der Bildmotive und Visionsgegenstände
Zur Beauftragungsvision
- Zeit und Ort: am Tag des Herrn auf der Insel Patmos (1,9-10)
- Audition: eine Stimme „wie von einer Posaune“ fordert Johannes auf, den 7 Gemeinden das Gesehene mitzuteilen
- Vision: einer „gleich dem Menschensohn“ inmitten von 7 goldenen Leuchtern (= 7 Gemeinden), mit 7 Sternen (= Engel der 7 Gemeinden) in der Hand
- Beauftragung: „Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach.“ (1,19) betont neben 1,5 (beidseitig beschriebenes, versiegeltes Buch) und 1,20 (Gericht nach Büchern!) das Schriftliche
- Fazit: Das Schreiben wird göttlich autorisiert, der Seher als Prophet Christi vorgestellt (1,3: προφητεία).
Zur Thronsaalvision
- Beschreibungen …
- des Thrones Gottes (Rückgriff auf Ez 1),
- der Throne der 24 Ältesten sowie
- der vier Tiere (später Symbolgestalten der Evangelisten; 4,7)
- Buch mit den sieben Siegeln→ Wer ist würdig, die Siegel zu lösen? (vgl. Jes 6,8)
- „Lamm“ = Christus; wird Offenbarungmittler
- Buch ist außen und innen beschrieben → beschreiben 8-14 und 15-20 die gleichen Ereignisse oder lassen sich die Siebener-Schemata auf andere Weise parallelisieren?4
- charakteristischer Ablauf der Siebenerschemata: 1-6 / Pause / 7
Der Widersacher Gottes (Offb 13 < Dan 7) ist die „satanische Trinität“: Satan (= Drache) + Meertier + Lügenprophet (= Erdtier; 16,13; 20,10; 12f).
- Satan:
- gibt dem Meertier seine Kraft, seinen Thron und große Macht (13,3f)
- aus dem Himmel heraus geworfen (12,9)
- auf der Erde angebetet (13,4)
- Meertier (666 → gematrischer Zahlenwert der hebräischen Buchstaben von „Quesar Neron“):
- hat Macht über alle Stämme, Völker, Sprachen und Nationen (13,7)
- lästert Gott (13,5f)
- kämpft gegen Heilige (13,6)
- wird angebetet (13,4.8)
- Erdtier:
- übt Macht des Meertieres aus (13,12)
- Zeichen (13,13f; 19,20)
- organisiert Anbetung des Meertieres (13,12-17)
Der Satan als Gegenspieler Christi und der Christen (vgl. Mk 13; 2Thess 2) wird hier erstmals mit Gestalten der Gegenwart identifiziert:
- Satan ≈ römisches Reich
- Tier ≈ römische Herrscher
- Lügenprophet ≈ römisches Kultpersonal?
Fazit: Der Kaiserkult ist Werk des Satans; wer sich hinsichtlich des Kaiserkults betätigt, betet Satan an.
Die Hure Babylon
„Babylon“ ist eine Chiffre für Rom (vgl. auch 1Petr 5,13)
- sitzt auf 7 Bergen (17,9) → Rom, die Stadt auf den 7 Hügeln
- das „Tier, das gewesen ist und jetzt nicht ist (17,11)“ und „das wieder sein wird (17,8), ist das achte und einer von den sieben (17,11) → Legende vom Nero Redivivus
- universale Herrschaft der „großen Stadt“ (17,15.18) → Rom und Römisches Reich
- wirtschaftliche Folgen des Untergangs „Babylons“ (18,11ff: Kaufleute und Seefahrer stehen fernab, weinen und klagen) → Wirtschaftszentrum Rom (18,17.19 Meer!)
- Zauberei Babylons verführte alle Völker (18,23) → Kultvorschriften
- „Blut der Propheten und Heiligen“ (18,24; vgl.17,6) → Christenverfolgungen der Römer
Der Sieg Christi
Der Sieg und die (baldige) Weltherrschaft Christi ist Grund für Trost und Durchhaltevermögen.
- schon jetzt Christusherrschaft im Himmel → Satan aus dem Himmel gestürzt (12,9; zuvor [11,15-18]: Lobpreis über den Herrschaftsantritt Gottes)
- hat nur noch kurze Frist (12,12)
- kämpft gegen Christen
- Kirche als Ort der Christusherrschaft auf der Erde
- bald Sieg über gottesfeindliche Mächte (14,14-20 u.a.) → Durchsetzung der Christusherrschaft auf der Erde
Das Neue Jerusalem (eine kühne Kombination aus Ez 40-48; Jes 60-65)
Gott schafft einen neuen Himmel und neue Erde; der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen (21,1 < Jes 60-65):
- das „himmlische“ Jerusalem kommt von Gott her auf die erneuerte Erde (21,2.10)
- Stätte der Gottesgegenwart („Hütte Gottes bei den Menschen“)
- Stätte der Christusgemeinschaft („Braut des Lammes“)
- kein Tempel mehr: Gott ist ihr Tempel, „er und das Lamm“
- keine Sonne mehr: Gott wird sie erleuchten
- Völker kommen in die Stadt, Heilung der Völker: „Völkerwallfahrt zum Zion“ (z. B. Jes 2)
- Fazit: Die mit dem Zion verbundenen Heilshoffnungen Israels werden aufgegriffen und christologisch und eschatologisch gedeutet.
Zur Gattungsfrage
„Apokalypse“ = ursprünglich jüdische Literaturgattung, von Christen aufgegriffen; „Apokalyptik“ schwer zu definieren (s. Merkblatt 1&2Thess)
- typische Stilelemente:
- Pseudonymität (und fiktive Vorzeitigkeit)
- Visionsberichte
- Bildersprache
- Entschlüsselung durch Deuteengel („angelus interpres“)
- Systematisierung (Ordnungsschemata)
- typische Formen:
- Geschichtsüberblicke in Futurform (vaticinia ex eventu)
- Jenseitsschilderungen
- Thronsaalvisionen
- Paränese
- Gebete
- Vorstellungswelt:
- Dualismus (2 Weltmächte, 2 Äonen)
- Pessimismus und Jenseitshoffnung
- Determinismus und Naherwartung
- Universalismus und Individualismus
- Apokalypsen im Kanon:
- Apokalypsen außerhalb des Kanons
- äthiopischer und slawischer Henoch
- syrischer Baruch
- 4Esra u.a.
Wie „apokalyptisch“ ist die Apokalypse des Johannes?
- typisch: Vorstellungswelt; hymnische Stücke
- „Chiliasmus“: Lehre vom Tausendjährigen Reich (nicht sehr verbreitet)
- ABER: Pseudonymität und Vorzeitigkeit fehlen → Verfasser schreibt unter seinem eigenen Namen und bezieht sich auf die Gegenwart der Gemeinden; weist auch Formmerkmale des Briefes auf
Fazit: einzigartige Gattung; am besten dem Zweck entsprechend als „Trostbuch“ für bedrängte Christen zu bezeichnen.
Rezeptionsgeschichte 
Die Offenbarung war in der Kanongeschichte lange umstritten.
- Vor allem die Ostkirchen weigerten sich wegen der chiliastischen Gedanken (1000jähriges messianisches Reich auf der Erde), kanonische Geltung zuzurechnen.
- Bei Ketzern (Montanisten, Gnostiker u.a.) hingegen war die Offenbarung sehr beliebt!
Über die Geschichte der Kirche hinweg hat man immer wieder einmal (erfolglos) versucht, den Parusietermin zu errechnen.
- Dabei ist man bemüht, die einzelnen Bilder der Offenbarung realhistorischen Hintergründen zuzuordnen.
- Um die Bilder zu deuten, liegt oft das exegetisch unzureichende Prinzip der selbsterklärenden Schrift zugrunde („die Bibel legt die Bibel aus“). So scharfsinnig solche Zuordnungen auch gelegentlich erscheinen5 – es besteht doch die Schwierigkeit, dass die vorgenommenen Deutungen nicht durch einen wissenschaftlichen Methodenkanon abgesichert sind und deswegen auch nicht auf der Grundlage gemeinsamer gedanklicher Grundlagen diskutiert werden können.
Interpretation 
Jürgen Roloffs Interpretation von Offb 11,3-13
Die unmittelbare zeitgeschichtliche Situation, in die die Offenbarung hineingeschrieben wurde, ist vergangen – und mit ihr das Gespür für die apokalyptische Sprache. Verständnisschwierigkeiten lassen sich nur durch eine mehrfache Brechung des Inhalts überwinden, wozu drei Leitfragen gestellt werden müssen:
- Welche Gedanken aus der apokalyptisch-jüdischen Tradition liegen zugrunde, und was bedeuten diese Gedanken im ursprünglichen Zusammenhang?
- Wie verarbeitet der Autor die Traditionsstücke? Variiert er? Auf welche realhistorische Situation seiner Zeit spielt der Autor an?
- Was ist die theologische Aussage des betreffenden Stückes?
Am Beispiel: „Durch Feuer vernichten“, „Regen zurückhalten“ und „Wasser in Blut verwandeln“ geschieht im AT durch Elia (1Kön 17,1; 2Kön 1,10) und Mose (Ex 7,17-20). Von beiden gibt es Berichte bezüglich einer Himmelfahrt (2Kön 2,11; Jos. Ant. 4,8,48). Jüdische Apokalyptiker hatten die Auffassung, Propheten der Anfangszeit wie Mose und Elia würden in der Endzeit als Bußprediger wiederkehren (Dtn 18,18; Mal 3,23f; Offb. Eliae 35,7). Allerdings konnte man deren Wiederkommen nach der Deutung der Evangelisten, Johannes der Täufers sei Elia, nicht mehr ohne Weiteres im christlichen Kontext für eine noch kommende Endzeit plausibel machen. Jürgen Roloff deutet deshalb die Anlehnung an diese Tradition als Typologie: Auch das Schicksal der Propheten um den Apokalyptiker Johannes herum kann von Mose und Elia her betrachtet werden. Wie diese haben die zeitgenössischen Propheten Macht zur Umkehrpredigt und hoffen auf eine Himmelfahrt – aufgrund der Auferstehung der Toten. Nach Jesu Tod war aber auch klar, dass die Nachfolge Christi Todesbereitschaft inkludiert (11,8). Mit diesem Gedanken hat Johannes die ursprünglich jüdische Tradition christlich „adoptiert“. Die theologische Aussage dahinter könnte also so lauten: Der Weg der Propheten „ist ein Weg, der vor die Öffentlichkeit der Welt, zum Zeugnis über ‚Völker, Nationen, Sprachen und Könige‘ (10,11 ) führt, und es ist zugleich ein Weg ins Leiden – das Büchlein ist bitter im Magen des Propheten (10,10)“6.
Werner Hoffmann: Lieder zur Offenbarung
Eine lyrische Interpretation der Gesamtaussage der Offenbarung bietet der Pfarrer und Chorleiter Werner Hoffmann in seinen Liedern zur Offenbarung:
„Und wenn morgen die Welt untergeht,
und kein Stern mehr am Nachthimmel steht,
wenn alle am Abgrund tanzen,
sollt ihr den Apfelbaum pflanzen,
weil ihr Licht in der Dunkelheit seht.
Pflanzt den Apfelbaum, fürchtet Euch nicht! Zeigt den anderen Wege ins Licht!
Wenn der Hass die Erde regiert
und die Liebe in vielen erfriert,
dürft ihr doch immer noch träumen
von blühenden Apfelbäumen,
weil die Hoffnung den Mut nie verliert.
Pflanzt den Apfelbaum, fürchtet Euch nicht! Zeigt den anderen Wege ins Licht!
Lasst die Freude auf Euer Gesicht,
haltet fest, was Jesus verspricht.
Bestellt noch heute den Garten
als Menschen, die auf ihn warten.
Pflanzt den Apfelbaum, fürchtet Euch nicht.“7
Letzte Aktualisierung: 25. Juni 2012, Stephan Rehm.
- Roloff, Offenbarung, 17. ↩
- Roloff, Offenbarung, 17. Hervorhebungen von Stephan Rehm. ↩
- Am 20. Juni 2012 der Website crworldtour.blogspot.com entnommen. Die Original-Bildunterschrift lautete: „Temple for the Emperor Cult, dedicated to Domitian (1st c. AD), and later to the Flavian family“. Rechtliche Hinweise zum Copyright fanden sich auf dieser Seite nicht.” ↩
- Möglich sind folgende Auffassungen: Kurzfassung der Ereignisse in 7 Siegeln; oder: dreimalige Beschreibung der Endereignisse (summarisch 6-8 – Siegel; fragmentarisch 8-14 – Posaunen; vollständig 15-20 – Schalen). ↩
- Siehe zum Beispiel www.dasgeheimnis.de des Adventisten Ulli Scherhaufer. ↩
- Roloff, Offenbarung, 115. ↩
- Lied Nr. 5 „Pflanzt den Apfelbaum“ aus Werner Hoffmanns CD „Alles wird neu. Lieder zur Offenbarung“. ↩


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http://www.petracca.de/buch/zahlen.pdf
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