Vom irdischen Jesus zu den Evangelien (Ausarbeitung zum Thema)

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Anfänge der Jesusüberlieferung

  • zunächst mündliche Weitergabe von Jesusworten und -taten: Augen- und Ohrenzeugen, Wandermissionare, lokale Traditionen…
  • dann erste kleine schriftliche Sammlungen: Zusammenstellungen von Worten („Logien“), Gleichnissen, Wunder Jesu; Passion!
  • Mk verfasst als erster eine zusammenhängende Jesusgeschichte

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Formen der Überlieferung

1. Wortüberlieferung

  • Gesetzesworte und Gemeinderegeln
  • Weisheitsworte
    • Mk 2,22 (Wein in Schläuchen)
    • Mk 6,4 (Heimatstadt des Propheten)
  • prophetische Worte und apokalyptische Worte
  • Ich-Worte
    • Mk 2,17 (Jesus ruft Sünder, nicht Gerechte)
    • Mt 5,17 (Jesus will das Gesetz erfüllen, nicht auflösen)
  • Nachfolgeworte
  • Gleichnisse

2. Apophtegmata (kurze Erzählungen, die auf einen markanten Spruch konzentriert sind)

  • Streitgespräche, Schulgespräche
  • Biographische Apophtegmata

3. Erzählüberlieferung

  • Wundergeschichten
  • Christusgeschichten
  • Leidensgeschichte
    • Mk 14,1-15,47 (durchlaufender Passionsbericht)
  • Ostergeschichten

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„Evangelium“ als literarische Gattung

εὐαγγέλιον → „frohe Botschaft, Heilsbotschaft“ (synonym: ὁ λόγος [Logos = Wort] und τὸ κήρυγμα [Kerygma = Verkündigung]; Verb εὐαγγελίζω → „die frohe Botschaft verkündigen“)

  • begriffsgeschichtliche Konnotationen:
    • aus dem Alten Testament (z.B. Jes 61,1): prophetische Ankündigung der Heilszeit
    • aus der hellenistischen Umwelt: Bezeichnung für kaiserliche Verlautbarungen
    • im Neuen Testament: Terminus technicus der Missionssprache für Inhalt und Vollzug der Verkündigung
  • nur im Singular gebraucht: es gibt nur ein Heilsgeschehen!
    • Gal 1,6-7: Abwehr eines „anderen Evangelium“
    • (sekundäre) Evangelienüberschriften: nicht Evangelium des, sondern Evangelium nach XY
  • Inhalt: Tod und Auferstehung Jesu als Heilsgeschehen (1Kor 15,3-5)
  • Belege:
    • „Evangelium“ nach Markus 1,1 („Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes …“) ist noch nicht als Gattungsbezeichnung zu verstehen, sondern besagt übersetzt: „Dies ist der Anfang der frohen Botschaft …“ (Die Evangelisten Lukas und Johannes gebrauchen den Begriff nicht; Matthäus verwendet ihn viermal für „frohe Botschaft“; bei Markus gibt es insgesamt acht Belege.)
    • Justin (Mitte 2. Jh.), Apologie I, 66,3: „Erinnerungen der Apostel, die Evangelien [Pl.!] genannt werden“ → „εὐαγγέλιον“ als Gattungsbegriff für einen Texttyp gebraucht (Papias spricht zur selben Zeit von „Worten/Überlieferungen der Apostel“ → noch kein allgemeiner Sprachgebrauch)
    • Irenäus (2. Hälfte 2. Jh.): viergestaltiges Evangelium theologisch reflektiert
  • „Evangelium“ als Textgattung ist ein literaturgeschichtliches Novum
    • Prototyp = Mk
    • verwandt mit antiker Biographie und Praxeisliteratur (aber mit Glaubensperspektive!)

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Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2011, Stephan Rehm.

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