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Überblick
Anfänge der Jesusüberlieferung
- zunächst mündliche Weitergabe von Jesusworten und -taten: Augen- und Ohrenzeugen, Wandermissionare, lokale Traditionen…
- dann erste kleine schriftliche Sammlungen: Zusammenstellungen von Worten („Logien“), Gleichnissen, Wunder Jesu; Passion!
- Mk verfasst als erster eine zusammenhängende Jesusgeschichte
Formen der Überlieferung
1. Wortüberlieferung
- Gesetzesworte und Gemeinderegeln
- Weisheitsworte
- prophetische Worte und apokalyptische Worte
- Lk 6,20-26 (Seligpreisungen & Weheworte)
- Ich-Worte
- Nachfolgeworte
- Gleichnisse
- Mt 5,14 (Licht der Welt; Stadt auf dem Berg)
- Lk 15,4-7 (Verlorenes Schaf)
- Lk 16,1-8 (Gerissener Verwalter)
- Lk 10,29-37 (Barmherziger Samariter)
2. Apophtegmata (kurze Erzählungen, die auf einen markanten Spruch konzentriert sind)
- Streitgespräche, Schulgespräche
- Mk 12,13-17 (Kaisersteuer)
- Biographische Apophtegmata
- Mk 1,16-20 (Jüngerberufung)
3. Erzählüberlieferung
- Wundergeschichten
- Mk 6,35-44 (Speisung der 5000)
- Christusgeschichten
- Mk 9,2-10 (Verklärung)
- Leidensgeschichte
- Mk 14,1-15,47 (durchlaufender Passionsbericht)
- Ostergeschichten
- Mk 16,1-8; Mt 28,16-20 (Erscheinungsberichte)
„Evangelium“ als literarische Gattung
εὐαγγέλιον → „frohe Botschaft, Heilsbotschaft“ (synonym: ὁ λόγος [Logos = Wort] und τὸ κήρυγμα [Kerygma = Verkündigung]; Verb εὐαγγελίζω → „die frohe Botschaft verkündigen“)
- begriffsgeschichtliche Konnotationen:
- aus dem Alten Testament (z.B. Jes 61,1): prophetische Ankündigung der Heilszeit
- aus der hellenistischen Umwelt: Bezeichnung für kaiserliche Verlautbarungen
- im Neuen Testament: Terminus technicus der Missionssprache für Inhalt und Vollzug der Verkündigung
- nur im Singular gebraucht: es gibt nur ein Heilsgeschehen!
- Gal 1,6-7: Abwehr eines „anderen Evangelium“
- (sekundäre) Evangelienüberschriften: nicht Evangelium des, sondern Evangelium nach XY
- Inhalt: Tod und Auferstehung Jesu als Heilsgeschehen (1Kor 15,3-5)
- Belege:
- „Evangelium“ nach Markus 1,1 („Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes …“) ist noch nicht als Gattungsbezeichnung zu verstehen, sondern besagt übersetzt: „Dies ist der Anfang der frohen Botschaft …“ (Die Evangelisten Lukas und Johannes gebrauchen den Begriff nicht; Matthäus verwendet ihn viermal für „frohe Botschaft“; bei Markus gibt es insgesamt acht Belege.)
- Justin (Mitte 2. Jh.), Apologie I, 66,3: „Erinnerungen der Apostel, die Evangelien [Pl.!] genannt werden“ → „εὐαγγέλιον“ als Gattungsbegriff für einen Texttyp gebraucht (Papias spricht zur selben Zeit von „Worten/Überlieferungen der Apostel“ → noch kein allgemeiner Sprachgebrauch)
- Irenäus (2. Hälfte 2. Jh.): viergestaltiges Evangelium theologisch reflektiert
- „Evangelium“ als Textgattung ist ein literaturgeschichtliches Novum
- Prototyp = Mk
- verwandt mit antiker Biographie und Praxeisliteratur (aber mit Glaubensperspektive!)
Letzte Aktualisierung: 22. Juli 2011, Stephan Rehm.