Eckdaten (Zeit, Ort, Personen) 
Wann? & Wo?
Wann?
- möglicher Anhaltspunkt: Christenverfolgungen anlässlich des Herrscherkultes unter Domitian (81-96: Regierungszeit Domitians, davon 93-96 Herrscherkult; vgl. Apk)
- Fazit: Verfassung wohl in den 90ern
Wo? – „Babylon“ (5,13)
- Chiffre für Rom (vgl. Apk)
Wer?
Wer? – „Petrus, ein Apostel Jesu Christi“ (1,1); „Mitältester und Zeuge (μάρτυς) der Christusleiden“ (5,1) → wahrscheinlich Pseudepigraphie:
| Petrus | (Autor des) 1Petr | |
| galiläischer Fischer | ↔ | gebildet, griechische Muttersprache (LXX, Rhetorik…) |
| frühes Martyrium | ↔ | spät (Ausbreitung des Christentums, Verfolgungen…) |
| Vertreter der judenchristlichen Richtung | ↔ | Charakteristika fehlen |
| Streit mit Paulus (Gal 2,11ff) | ↔ | große Nähe zu Paulus |
|
- Fazit: ein Vertreter eines „späten Paulinismus“, der die Paulusbriefe gekannt haben könnte
Warum dann „Petrus“?
- größte Autorität der frühen Kirche
- Paulus-Missionsgebiete an Rom anbinden?
Wem?
Wem? – „An die auserwählten Fremdlinge, die verstreut (διασπορά) wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asien und Bithynien“
- „verstreut“ (Diaspora): Christen leben als Minderheit in heidnischer Umwelt
- Ortsnamen liegen in Kleinasien (eigentlich Missionsgebiet des Paulus!)
- Fazit: ein Rundschreiben an
- Heidenchristen (Anspielungen auf früheren Wandel in 1,14.18; 2,9f; 4,3f)
- Neugetaufte (?; 3,21 Taufe jetzt; 2,2 „neugeborene Kindlein; 1,3.23; 2,10.25 → Position wird kaum mehr vertreten)
- Christen in einer Verfolgungssituation (5,9 → private Schikanen oder Anfänge systematischer Verfolgungen?)
Linearer Zugang / Aufbau 
Hinweis auf Zoomstufe 4 (Textarbeit als Map)
Die in der folgenden Tabelle wiedergegebene Zoomstufe 2 basiert auf der Zoomstufe-4-Map, die den vollständigen Text des ersten Petrusbriefes nach der Elberfelder Übersetzung enthält. Der assoziative Stil des Briefes wurde graphisch decodiert, indem jeder Sinneinheit ein Textfeld zugeordnet wurde. Diese Textfelder sind farblich hinterlegt, je nachdem, über welches Subjekt Aussagen gemacht werden:
- 1.P.Pl. („wir“, bzw. der Absender): grün
- 2.P.Pl. („ihr“, bzw. der Empfänger): braun
- 3.P.Pl. („sie“, bzw. die Heiden, unter denen die Empfänger in der Diaspora leben): violett
- Gott: blau
- Christus: rot
- sonstiges (z. B. Schriftzitate): weiß
Die hinterlegte pdf-Datei enthält vier A3-Blätter, die am besten bunt ausgedruckt und zusammengeklebt werden, um die Map-Visualisierung vollständig nutzen zu können.
- HIER als jpg-Bild (zum Ausdrucken oder zur schnellen Einsicht auf dem Rechner)
- HIER als pdf-Datei, unterteilt auf 4×2 A4-Seiten (zum Ausdrucken und Zusammenkleben)
- HIER als pdf-Datei, unterteilt auf 4 A4-Seiten (für’s iPad u. ä.)
- HIER als pdf-Datei (ohne Verbindungen), unterteilt auf 5 A4-Seiten (für’s iPad u. ä.)
Zoomstufe 2, tabellarische Übersicht
| 1,1-2 | Präskript (trinitarisch) | |
| 1,3-12 | Proömium: Doxologie, Hinweis auf Bewährungsprobe durch Versuchungen, Dienst der Propheten | |
| 1 – 2 |
Hauptteil I Aufruf zur Transformation hin zur Heiligkeit (1,13 – 2,10) |
|
| 1,13-21 | Imperativreihe: nüchtern auf Gottes Gnade hoffen, heilig & ehrfürchtig wandeln; christologische Begründung: Erlösung durch das Blut Christi | |
| 1,22-24; 2,1-10 | Imperativreihe: anhaltende Geschwisterliebe, weltliche Laster ablegen & sich als geistliches Haus aufbauen lassen; christologisches Argument: Christus als Eckstein | |
| 2 – 4 |
Hauptteil II Paraklese angesichts von Bedrängnissen (2,11 – 4,19) |
|
| 2,11 – 4,6 | Die Adressaten als Fremde inmitten der Nationen: Kundgabe des Willens Gottes (2,15) | |
| 2,11-17 | grundsätzliche Ermahnungen in einer Imperativreihe: Enthaltsamkeit, ethische Brillianz, Unterordnung & Ehrerbietung | |
| 2,18-25; 3,1-22 |
Haustafelethik (Sklaven [2,18], Frauen [3,1], Männer [3,7], alle [3,8] mit doppelter christologischer Begründung (nach „Sklaven“ [2,19-25]; nach „alle“ [3,17-22]):
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|
| 4,1-6 |
Zusammenfassung: die Leiden der Christen radikalisieren sie hin zum Guten; die heidnischen Mitmenschen werden dadurch irritiert und lästern |
|
| 4,7-11 | Ermahnungen angesichts des nahen Endes: nüchtern und besonnen einander lieben und einander dienen (Gastfreundschaft) | |
| 4,12-19 | Die Verfolgungen im Horizont des eschatologischen Gerichts: Verfolgungen brauchen nicht zu befremden; sie dienen der Prüfung hinsichtlich des kommenden Gerichts und sind somit Grund zur Freude auf die Offenbarung von Gottes Herrlichkeit → Gutes tun! | |
| 5,1-9 |
Schlussparänese: Mahnungen …
|
|
| 5,10-14 | Postskript: Zuspruch (Rückverweis auf das Leid), Grüße (Silvanus, Markus), Friedensgruß | |
Thematischer Zugang 
Leiden
mögliche Situation der Gemeinde:
- Verleumdungen durch Heiden
- Anklagen vor Gericht? (4,15f)
Gedanken dazu:
- Vergewisserung:
- Leiden ist grundsätzlich paradox, wenn man rechtschaffen lebt (3,14).
- Feindseligkeiten der Umwelt entzünden sich an Christus, und sind wegen des heidnischen Unverständnisses unvermeidbar (4,14). Das Leiden um Christi willen betrifft deshalb alle Christen in der Welt (5,9).
- theologische Deutung: Leiden werden als Versuchung (πειρασμός, 1,6; 4,12) nach Gottes Willen (4,19) angesehen, die ergehen, damit sich die Echtheit des Glaubens erweist (1,7).
- Trost:
- Christen haben in den Leiden Christi ein Vorbild (3,18).
- Christen leiden in Gemeinschaft mit Christus (4,13).
- Christen können den Versuchungen durch den Glauben widerstehen (5,81).
- Zukunftshoffnung: Die Leiden betreffen die Christen nur vorübergehend (1,6); sie werden vergehen, und es folgt:
- das Gericht (2,12; 4,17)
- die Offenbarung der Herrlichkeit (4,13; 5,1)
„So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (5,6-7)
Christ sein und als Christ leben
Bezeichnungen:
- „Christen“ als Selbstbezeichnung (4,16)
- „Volk Gottes“, „geistliches Haus“, „heilige Priesterschaft“, „Erwählte“ → Rückgriff auf alttestamentliche Bilder
Christliche Existenz:
- Leiden und Schmähungen durch Nichtchristen (Heiden) sind Teil der christlichen Existenz!
- Leben in „Heiligkeit“: der Sünde abgestorben2 (2,24)
Die Notwendigkeit rechtschaffenen Lebens wird illustriert durch den Gebrauch von Haustafeln3
- verarbeitet wird u. a. der Teilaspekt der christlichen Existenz „Verhalten gegenüber Obrigkeit“ (auch Röm 13; 1Tim):
- Obrigkeit verfügt Lob und Strafe
- Christen sollen Unwissenden und Törichten „mit guten Taten das Maul stopfen“ (2,15)
Taufe
- „Wiedergeburt“ (1,3.23) zu Hoffnung und Unvergänglichkeit
- „Rettung durchs Wasser hindurch“ (3,20f) – wie Noahs Familie bei der Sintflut
- neuer Stand: Teil des Gottesvolkes, „in Gnade“ (2,10)
- Beginn der neuen Existenz als Christen
Systematischer Zugang 
Christologie
… in drei Christushymnen („Lieder“) mit Bezug des Christusgeschehens auf das Heil der Gemeinde:
| Christusgeschehen | Effekt für die Gemeinde | |
| 1,20-21 |
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|
| 2,21b-25 |
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|
| 3,18-22 |
|
|
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2012, Stephan Rehm.
- zur Stelle (5,8): „Versuchung“ (1,6-7; πειρασμός) und „Durcheinanderbringer“ (5,8; διάβολος) sind sinntragende Worte, die auch in der Versuchungsgeschichte Jesu (Mt 4,1-11; Lk 4,1-13) vorkommen – eine weitere Parallelisierung mit Christus? ↩
- „der Sünde abgestorben zu sein“ bedeutet: „seinsmäßig aus dem Geltungsbereich der Sünde entfernt zu sein“: Im realen Leben hat die Sünde, die die Gewohnheiten und sozialen Vernetzungen der Menschheit durchdrungen hat und sie nun alltäglich bestimmt, keine Plausibilität mehr.
Sünde, vom Grundsatz her erklärt, bedeutet zunächst, sich selbst unter Absehung von Gott zu verstehen, also den göttlichen Blick für das Ganze von Schöpfer und Schöpfung zu entbehren und stattdessen sich selbst unter Absehung vom Schöpfer in Bezug zur Schöpfung absolut zu setzen. Wir haben kein Gefühl mehr dafür, was Gottes Wille ist und was allen zum Besten gereicht, sondern wir achten notgedrungen darauf, was uns persönlich am besten erscheint – einen anderen Orientierungspunkt als uns selbst haben wir ja nicht. Die Entwicklung unseres Selbstverständnisses, unsere Identitätskonstruktion, unser Sein vollzieht sich im Geltungsbereich der Sünde. Das ist der status quo.
Da aber die Verbundenheit mit Gott durch Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi seinsmäßig wieder hergestellt ist, verliert die Sünde die Grundlage ihrer Plausibilität – und damit ihren Anspruch, die alltäglichen Handlungen der Menschen zwingend im egoistischen Sinn zu bestimmen. Ein neues Selbstverständnis, eine neue Identität begründet der Geist Gottes in uns aufgrund einer neuen Grunderfahrung: Das grundsätzliche Paradigma lautet nicht mehr: „Hilf Dir selbst, dann ist Dir geholfen.“, sondern: „Gott wendet sich den Menschen (Dir) zu und sorgt für sie (Dich) auch in den alltäglichen Dingen – diese Zuwendung hat ihr unüberbietbares Beispiel in Jesu Leben, Sterben und Auferstehen.“ Soweit zur dogmatischen Theorie.
In der praktischen Umsetzung wird unser Verstand zum Instrument der Transformation und unsere Erfahrung zu ihrem Gegenstand; Subjekt aber ist der göttliche Geist, der das Ganze von Schöpfer und Schöpfung durchwaltet. Integriert in diesem Ganzen von Schöpfer und Schöpfung zu leben, das wäre die Umsetzung der Aufforderung in 2,24b, bzw. 4,2, „der Gerechtigkeit“ bzw. „dem Willen Gottes“ zu leben.
Problematisch dabei bleibt, dass wir zwar seinsmäßig, aber – solange Gottes Herrlichkeit nicht offenbart ist (4,13) – nicht automatisch auch bewusstseinsmäßig der Sünde abgestorben sind: Unser Verstand folgt unseren Denk-Gewohnheiten bzw. unseren Erfahrungen, und unser durch Erfahrung konsolidiertes Verhalten lässt sich nur langsam ändern, indem wir bessere Gedanken denken und auch praktisch erproben, so dass neue Erfahrungen entstehen: Neue Erfahrungen, verankert im Selbstverständnis von Christus her, transformieren den Erfahrungsschatz (und damit uns) hin zum neuen Sein in Heiligkeit. Insofern hat die Sünde als Bewohnerin unserer Gewohnheit, verankert in der Erfahrung, noch Macht über uns, aber keinen seinsmäßigen Anspruch mehr. Rückschläge im Transformationsprozess, die aus alten Erfahrungsmustern resultieren, können mit Verweis auf das neue seinsmäßige Paradigma (s.o.) als ungültig erklärt werden („Vergebung“). ↩ - Auch in Kol; Eph; Past, hier aber stärker verchristlicht durch den Bezug auf den Gotteswillen sowie die christologische Grundlegung. ↩
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