Charakteristik
Der 1. Petrusbrief ist ein Rundschreiben an wahrscheinlich heidenchristliche Gemeinden Kleinasiens, verfasst von einem gebildeten, der paulinischen Theologie nahestehenden Autor.
Er bestärkt sie, vor dem Hintergrund ihres Getauftseins nach Heiligkeit zu streben. Heilig zu sein würde sich konkret darin auswirken, dass die Christen inmitten von Anfechtungen der feindseligen Umwelt ihren heidnischen Mitmenschen positiv gegenübertreten, indem sie …
- ungerechtfertigterweise zugefügtes Leid wie Christus geduldig auf sich nähmen und
- ein rechtschaffenes Leben mit guten Taten führten, so dass die Verleumder und Gewalttätigen keinen Anlass mehr zur Ungerechtigkeit hätten: Sowohl die Ungerechtigkeit der Feinde als auch die Gerechtigkeit der Christen würde im Gericht offenbar werden und letztendlich Gott zur Verherrlichung dienen.
Der Verfasser motiviert zum Streben nach Heiligkeit, indem er auf die in der Taufe begründete Verbundenheit mit Christus verweist, die eine lebendige Hoffnung (1,3) schenkt: Indem sich die Christen auf die kommende Offenbarung Christi freuen, können sie das gegenwärtige gemeinsame Leiden mit Christus erdulden (4,13; 5,6).
Stilistisch auffällig ist die Häufung von Imperativen, die hin und wieder mit teilweise dezidiert christologischen Begründungen unterbrochen werden. In seinen theologischen Aussagen kommt der Autor assoziativ von einem in das andere Thema (z. B. der erste Satz im Proömium: 1Petr 1,3-5), wobei die Themen kaum entfaltet, sondern nur stichwortartig aufgerufen werden.
Eine Besonderheit: 4,16 ist die einzige Stelle im Neuen Testament, an der Gemeindemitglieder von einem christlichen Autor als „Christen“ (Χριστιανός) bezeichnet werden. Sonst (Apg 11,26; 26,28) wird die Bezeichnung im NT nur von außen an die Gemeinde herangetragen.
Grobgliederung
| Stelle1 | Inhalt (mit markanten Abschnitten zur assoziativen Konkretisierung) |
| 1,1-12 | Präskript & Proömium |
| 1 – 2 1,13 – 2,10 |
Aufruf zur Transformation hin zur Heiligkeit (2,9: „Ihr aber seid [...] die königliche Priesterschaft, das heilige Volk [...], dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“) |
| 2 – 4 2,11 – 4 |
Paraklese angesichts von Bedrängnissen (Fremdheitsproblematik – Haustafelethik – eschatologischer Horizont) |
| 5,1-14 | Schlussparänese & Postskript |
wichtige Bibelverse zum Lesen und Lernen
Hinweise zum Lesen und Lernen von Bibelversen findest du im Bibelverse-Lesebuch, das die Texte zu den unten stehenden Versen kategorisiert enthält (Übersetzung: Elberfelder Bibel), und unter www.bibel-faq.net/bibelverse-lesebuch (klick!). Ab Mitte des Sommersemesters 2014 ist eine Vokabeltrainer-App geplant, die den Text der Verse ebenfalls bereits mitliefert.
- 1Petr 1,3-4 (Neugeburt und Hoffnung der Christen)
- 1Petr 1,8 (Glaube)
- 1Petr 1,18-19 (Erlösung durch Jesu Blut)
- 1Petr 2,9 (Heiligkeit der Christen)
- 1Petr 2,12 (Christsein in Bedrängnis)
- 1Petr 2,17 (positive Akzeptanz staatlicher Obrigkeit)
- 1Petr 3,15 (Sprachfähigkeit im Glauben)
- 1Petr 3,17-18 (Leiden wie Christus)
- 1Petr 4,12-13 (Kraft zum Leiden durch Blick auf die zukünftige Herrlichkeit)
- 1Petr 5,5; Jak 4,6 (Lob der Demut)
- 1Petr 5,6-7 (Zuversicht)
Letzte Aktualisierung: 3. April 2014, Stephan Rehm.
- Die Kapitel ohne Verszahlen dienen zur schnellen Kommunikation, z. B. in einem Gespräch. Bei Bedarf muss die versgenaue Abgrenzung aber nachgeliefert werden können. Die Versangaben sind deswegen – sofern angegeben – die eigentliche Lerngrundlage. ↩
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