Eckdaten (Zeit, Ort, Personen) 
„Paulus“
Befindet sich „Paulus“ in derselben Situation wie bei der Verfassung des Kol (Gefangenschaft 3,1;4,1; 6,20; Tychikus 6,21f)??? → Dann wäre der Verfasser des Eph möglicherweise ebenfalls ein Paulusschüler (Tychikus? Onesimus? eher kein persönlicher Schüler mehr?).
- Paulus war 2-3 Jahre in Ephesus (Act 19,10; 20,31; 1Kor 16,8); der Eph hat aber keine persönlichen Elemente
- Eph setzt Kol voraus: Aufbau; Ideen; Sprache & Stil; Terminologie → aber theologische Veränderungen (vor allem bei Kirche, Apostolat, Heilige)
„Die Epheser“
Beobachtung: Normalerweise stammt die Adressatenangabe in der Adscriptio vom Verfasser und die Überschrift vom Herausgeber. In den ältesten und besten Handschriften (A, B, P46, Marcion) des Eph fehlt „in Ephesus“ (1,1)! → Die Angabe könnte bei der Herausgabe für die Überschrift sekundär rekonstruiert worden sein aus …
- Eph 6,21f (Tychikus wird bald zu den Adressaten kommen) und
- 2Tim 4,12 (Paulus hat Tychikus nach Ephesus gesandt).
Anfrage: Wer waren die ursprünglichen Adressaten?
- Ist Eph ursprünglich ein Rundschreiben an mehrere Gemeinden?
- pro: Leerstelle nach „an die Heiligen“
- contra: andere Rundbriefe (Gal, Kol) sind aktueller und konkreter
- aus dem Brief erkennbar: Adressaten sind Heidenchristen (2,1.11f.14f; 3,1)
Fazit: Durch die Offenheit der Adressaten wirkt Eph eher wie ein katholischer Brief → das Vermächtnis der Paulus-Schule für alle Heidenchristen?
Wann & Wo?
- ca. 80-90 (nach Kol; vor Ignatiusbriefen)
- westliches Kleinasien (dort ist die Autorität des Paulus unerschüttert)
Umstände 
Die Judenchristen sind inzwischen eine gefährdete Minorität „zwischen allen Stühlen“.
Linearer Zugang / Aufbau 
Eine Darstellung des Aufbaus finden sich in dem gemeinsam für Kolosser- und Epheserbrief verfassten Artikel.
Thematischer Zugang / Gegenstand 
Ekklesiologie
ἐκκλησία = Gemeinde, Kirche; bei Paulus sowohl „Gemeinde“ als auch „Gesamtkirche“; im Eph eher „Kirche“, nicht „Einzelgemeinde“
Der Ursprung der Kirche: das Kreuzesopfer Christi (2,11-18).
- „Töten“ der Feindschaft gegen Gott (= Ursache der Feindschaft gegeneinander; 2,16)
- Einreißen der Trennwand zwischen Juden und Heiden (2,14) → die Einheit mit Gott begründet die Einheit der Kirche, die zu bewahren ist (4,3-6)
Die Identität der Kirche: sie ist Leib Christi, Christus fungiert als Haupt der Kirche (1,22f; 5,23).
- Identitätsgrundlage: die universale Bedeutung Christi (vgl. Kol; im Eph stärker ekklesiologisch ausgewertet)– Christus ist Haupt über alles (1,22); „Christus erfüllt alles in allem“ (1,23):
- Himmel & Erde (1,10)
- gegenwärtige & zukünftige Welt (1,21)
- Höhen & Tiefen der Erde (4,8-10)
- praktischer Ausdruck: die Kirche ist Christi Fülle (1,23) und Braut(5,22-33: die Kirche als Braut Christi → Urbild der Ehe)
- Christus hat die Kirche als seinen Leib erlöst (5,23)
- Christus liebt die Kirche, hat sich für sie dahingegeben (5,24)
- Christus reinigt und heiligt (5,26f), nährt und pflegt (5,29) die Kirche
- als Leib des Hauptes ist die Kirche „Behausung Gottes im Geist“ (2,22)
Die Funktion der Kirche: sie ist Bestandteil der universalen Heilsgeschichte
- himmlischer Bereich: durch die Kirche soll Gottes Weisheit den himmlischen Mächten & Gewalten bekannt werden (3,10)
- irdischer Bereich: Kirche ist für die Menschen der Ort des Christusheils (1,23) und der Gottesfülle (3,19)
Die Praxis der Kirche: „Wachstum auf das Haupt hin“ (4,15; 2,21f)
- Christus als Haupt befördert und verursacht das Wachstum (2,21f; 4,16)
- kirchliche Ämter (4,11: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer) dienen dem Wachstum auf das Haupt hin
Fazit: Die Kirche gerät zunehmend als Institution in den Blick (eine Art „Ansprechpartnerin Christi auf Erden“). → Kann es nach dem Eph Glaube und Heil außerhalb der Kirche geben?
Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2012, Stephan Rehm.